Johannes Wieland «Tanzabend II – Catcher»
Bei seinem Einstand am Staatstheater Kassel 2006 hatte Johannes Wieland noch, vielleicht aus Ehrfurcht vor den Erwartungen namens Tanztheater, Bühnenbildgeräume und Kissengeschichten à la Pina Bausch choreografiert. Sein «Tanzabend II – catcher» dieser Saison zeigt einen eigenwilligen Bewegungsstil und verzichtet fast ganz auf Requisitenfummelei. Mutig.
Das mit Gästen auf 16 Tänzer aufgestockte Ensemble im großstädtischen Jugendlook tritt als Masse ohne klare Richtung auf, jeder Einzelne in Hektik, von eigenen Impulsen getrieben, fast geworfen, gewirbelt und manchmal plötzlich angehalten. Die Arme fliegen nach hinten über den Kopf, dann beugen sie sich vor, bewegen sich sanft hin und her, sodass der Mensch wie ein Ertrunkener wirkt, sacht vom Wasser bewegt.
So, wie Schlagwerkkünstler Bernd Wegener an metallenen Röhren und Ringen arbeitet, drehen die Tänzer zuweilen handgroße Messingkringel am Boden wie Kreisel, die bei nachlassendem Drall kippen. Sich selbst kreiseln die Tänzer auf jede erdenkliche Weise. Keine sauberen Pirouettchen, sondern mit dem Rausch des Schleuderns, vom Kopf aus, von Armen, Knien, Po. Zweimal kehrt eine unsichtbare Ordnungsmaschine die Tänzer wie zu einer ...
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