Geschichten über die Geschichte
«Rote Schuhe für den Sterbenden Schwan». Was ist damit gemeint? Ralf Stabel, Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, nennt es im Untertitel seines bei Henschel erschienenen Buches: eine Tanzgeschichte in Geschichten. Er suggeriert Unterhaltung, lebendige Vermittlung von trockener Historie. Anschaulich schreiben kann er. Bisweilen wird er sogar witzig, erhalten seine Zusammenfassungen von Handlungen romantisch-klassischer Ballette mit eingeschobenen Kommentaren eine feine kabarettistische Note.
Stabel wagt eine Tour d’Horizon, spannt seine Geschichte(n) von den Totentänzen des Mittelalters bis zum Konzepttanz der Gegenwart. Dabei versucht er durch die Hintertür grundlegende Überlegungen zur Ästhetik einzuflechten, zu den Komponenten eines Tanzwerks, zu Produktions- und Rezeptionsbedingungen, zum sozialen Stand des Tänzerberufs. So ließe sich durchaus eine Tanzgeschichte für eine breite Leserschaft aufziehen. Doch dafür hat Stabel das Netz seiner Episoden nicht engmaschig genug gesponnen, fällt zu viel unter den Tisch. Er breitet zudem seine durch frühere Veröffentlichungen hinreichend belegten Spezialkenntnisse unverhältnismäßig aus, nämlich zum Ausdruckstanz um Gret Palucca ...
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