«Jetzt muss ich auch was tun!»
Es sei durchaus die etwas altmodische Galanterie, die es in dem und um den ganzen Betrieb trotz allem immer noch gebe: «... da halten die Männer den Frauen noch die Türen auf», sagt Miriam Wagner, wenn man sie fragt, was das Theater für sie so anziehend mache. Und wie aufs Stichwort stellt die Kellnerin in der kleinen spanischen Kneipe in der Erlanger Altstadt ein Glas Wein auf den Tisch: Das sei von den Herren dort an der Theke.
Da lümmeln tatsächlich zwei schmucke Exemplare und können die Augen nicht von der blonden jungen Frau lassen, die gerade noch von aus der Mode gekommener Etikette schwärmte: «Auf die Kunst», säuseln sie herüber, und der Beobachter fühlt sich in eine verstaubte Zeit versetzt, in der die Bewunderer es noch verstanden, der Künstlerin den Hof zu machen.
Miriam Wagner wirkt etwas verlegen. Nein, das passiere ihr nicht gerade oft hier in der Stadt, in der sie seit zwei Jahren engagiert ist. Eher das Gegenteil: Vor kurzem habe sie sich erst mit einer wildfremden Frau in einem Café über das Stück «Tatarenschlacht» unterhalten: «Die hatte das zwar gesehen, aber nach einer halben Stunde immer noch nicht gespannt, dass ich da selber mitspiele.» Andererseits rufen ...
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Ein Aufreißer ist Andy nicht, wirkt dafür aber so naiv, dass die Mädels Gefallen an ihm finden können.
Nadja allerdings, die am Tresen einer Bar sitzt, hat im Moment ganz andere Sorgen und ist nicht bereit zur Balz. Da war dieser Horrorfilm, den sie passagenweise nur mit geschlossenen Augen überstanden hat. Jetzt kippt sie einen Kurzen nach dem anderen. Warum sie...
Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...
Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...
