«Jetzt muss ich auch was tun!»
Es sei durchaus die etwas altmodische Galanterie, die es in dem und um den ganzen Betrieb trotz allem immer noch gebe: «... da halten die Männer den Frauen noch die Türen auf», sagt Miriam Wagner, wenn man sie fragt, was das Theater für sie so anziehend mache. Und wie aufs Stichwort stellt die Kellnerin in der kleinen spanischen Kneipe in der Erlanger Altstadt ein Glas Wein auf den Tisch: Das sei von den Herren dort an der Theke.
Da lümmeln tatsächlich zwei schmucke Exemplare und können die Augen nicht von der blonden jungen Frau lassen, die gerade noch von aus der Mode gekommener Etikette schwärmte: «Auf die Kunst», säuseln sie herüber, und der Beobachter fühlt sich in eine verstaubte Zeit versetzt, in der die Bewunderer es noch verstanden, der Künstlerin den Hof zu machen.
Miriam Wagner wirkt etwas verlegen. Nein, das passiere ihr nicht gerade oft hier in der Stadt, in der sie seit zwei Jahren engagiert ist. Eher das Gegenteil: Vor kurzem habe sie sich erst mit einer wildfremden Frau in einem Café über das Stück «Tatarenschlacht» unterhalten: «Die hatte das zwar gesehen, aber nach einer halben Stunde immer noch nicht gespannt, dass ich da selber mitspiele.» Andererseits rufen ...
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Da fehlt doch was? Hoch oben auf dem dreistöckigen verschraubten Wohnkubus blinken nur ein paar Lämpchen einsam um das leere Gerippe einer verrosteten Werbefläche, trauriger Rest irgendeines vom Wind verwehten Plakatständers. Noch vor kurzem hätte sich Bühnenbildner Bert Neumann die Gelegenheit nicht entgehen lassen, eine Videowand dort oben zu installieren, am...
Die disparaten Textfragmente der großen Potentaten der deutschen Geistesgeschichte (Novalis, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger), die Elfriede Jelinek in «Wolken.Heim» zu einem unheimlichen, zeit- und ortlosen Identitätsdiskurs verschmolzen hat, irritieren immer noch. Auch 17 Jahre nach der Uraufführung befremdet diese hymnisch nationalistische Selbstbeschwörung,...
Für ein Kinder- und Jugendtheater kann man sich eigentlich keinen passenderen Ort wünschen: Das Haus ist riesengroß und von einem Park mit alten Bäumen umgeben, durch den des Nachts hunderte von Fledermäusen flattern. Es ist eine Mischung aus Spuk- und Märchenschloss, hat Höfe, verwinkelte Gänge und Flure und jede Menge Platz zum Theaterspielen. Der marode Charme...
