Jenseits der Posen
Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon verzweifelt greift er ihren Po, rutscht an ihren Beinen hinunter auf den Boden, schlabbert und küsst, geifert und giert, richtet sich rasch wieder auf, nur um ihr Bein um seine Hüften zu schlingen.
Love me, love me, say that you love me. Doch weder das Bein noch Christine wollen Fritz, den Geheimniskrämer, den Falschspieler, in diesem Moment lieben. Das Bein gleitet haltlos an ihm ab. Arme hoch, Arme runter, Bein herum, Bein herunter, immer wieder auf und nieder, bis Fritz plötzlich von ihr ablässt und sie sich beschämt, betäubt und entsetzt gegenüberstehen.
Szenenwechsel. Eine Frau mit aufgelösten langen Haaren steht im weißen Kleid vor einem feinen Herrn mit hellem, kurzärmeligen Hemd. Er umarmt sie, doch ein zweiter Herr im dunklen Anzug trennt die beiden Namenlosen wieder voneinander, streicht über ihre Arme wie zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Sofa ist ein Sofa ist ein Sofa? Einerseits ja. Bis 1990 in der DDR bestimmt. Danach wurde es wie die Kunst an der Wand, die Hose am Bein und das Fingerfood in der Hand zu etwas anderem: einem Distinktionsmerkmal. Einem Verschleierungsinstrument. Das richtige Sofa, die richtige Kunst, die richtige Frau und die richtige falsche Betonung gewisser Wörter wie Dynamo...
Der Rhythmus stimmt in diesem Film. Der Sound auch und die Richtung sowieso: Existenzfragen und sozialer wie mentaler Überlebenskampf sind nun mal die Themen dieser Tage (keine Ironie!). Was Gorkis naturalistisches «Nachtasyl» natürlich nicht zum Nachbarschaftsdrama macht, und der Filmregisseur und Drehbuchautor Hardi Sturm, der den Stoff in deutsch-französischer...
Im deutschen Wald riecht es würzig. Fledermäuse schießen durch die Sommerabendluft, und der aufgehende Vollmond gießt milchiges Licht über die grasbewachsenen Militärflugzeughangars, deren Pforten so aussehen, als fange dahinter die Unterwelt an. Doch der schwarzromantische Schein der Idylle trügt. Im Wald von Neuhardenberg ist die Kunst ausgebrochen.
Ein Muezzin...
