Uneingeschränkt geschenkkassettenfähig
Der Rhythmus stimmt in diesem Film. Der Sound auch und die Richtung sowieso: Existenzfragen und sozialer wie mentaler Überlebenskampf sind nun mal die Themen dieser Tage (keine Ironie!). Was Gorkis naturalistisches «Nachtasyl» natürlich nicht zum Nachbarschaftsdrama macht, und der Filmregisseur und Drehbuchautor Hardi Sturm, der den Stoff in deutsch-französischer Koproduktion (NFP teleart, ZDF-Theaterkanal, Arte) verfilmt hat, stilisiert die Sache trotz allerhand Zeitkolorit auch eher ins Überzeitliche, Archaische. Letzte Dinge, revisited.
Am Anfang sieht man Luka, den Wanderer, in einer ehemaligen NVA-Kaserne campieren. Er sitzt am Feuer und schaut sich den ML-Agitprop an den Wänden an. Einen Schäferhund hat er auch dabei. Dann macht sich der Alte wieder auf den Weg – weiter durch den wilden Osten. Dazu, nicht auftrumpfend, aber mächtig Stimmung machend, die Low-fi-Roadmovie-Musik von Dürbeck & Dohmen. Luka also, ein postideologischer Penner, der im Off von der Wahrheit spricht, die keinen interessiert. Ein schöner, ein poetisch-realistischer Anfang, gebrochen nur durch die seltsame Mokanz, mit der Hans-Peter Hallwachs die Worte formt, und durch die rührende Holprigkeit des ...
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Das berndeutsche Wort «Grümscheler» lässt sich am ehesten mit Bastler oder Puzzler übersetzen. Ein Grümscheler ist einer, der einen kleinen Weltausschnitt in seine Einzelteile zerlegt und diese dann in anderen Kombinationen neu zusammensetzt. Ein Eigenbrödler, der so lange in seinem Kämmerlein vor sich hin wurstelt, bis er eine gänzlich überflüssige, aber doch...
Es lohnt sich, die Geschichte noch einmal ganz schnell und von vorn zu erzählen. Denn sie beginnt mit einem Motto, das sich die Kunst-Biennale in Sao Paulo für die Ausgabe des vorigen Jahres gab: «Terreiro livre», was frei übersetzt in etwa «Niemandsland» bedeutet und diesen Stadt-Raum akkurat beschreibt. Das Goethe-Institut vor Ort, zentral zuständig für das...
Ekkehard Schall, der fünfundsiebzigjährig in Buckow bei Berlin starb, hat während der gut 40 Jahre (1952–1995), die er am Berliner Ensemble verbrachte, viele große Brecht-Rollen gespielt: den tollkopfigen Sohn Eilif der Mutter Courage (auch im Film von 1958), den Gangster Ui, der aus der brütenden Verklemmtheit durch fanatisierende Autosuggestion sich ins...
