Jenseits der Betroffenheit
Mathieu hätte gerne eine Freundin. Ein durchaus nachvollziehbarer und üblicherweise auch erfüllbarer Wunsch für einen jungen Mann. Doch so einfach ist das nicht in diesem Falle, denn Mathieu ist Zerebralparetiker. Die spastische Muskeltonusstörung fesselt ihn an den Rollstuhl, bereitet ihm Schwierigkeiten beim Sprechen und lässt seine Gliedmaßen unkontrolliert zucken.
Schon eine Prostituierte am Telefon zur Dienstleistung zu überreden, gestaltet sich für ihn als unmögliches Unterfangen.
Sein attraktiver Bruder Claude, mit dem er zusammenlebt, hat andere Probleme: Er ist trotz Diplom arbeitslos, fühlt sich gesellschaftlich blockiert und als Opfer geburtenstarker Jahrgänge. Der optimistische Pragmatismus seiner neuen Freundin Charlotte, die in einer Werbeagentur arbeitet, geht Claude bald auf den Wecker, doch Mathieu gefällt die Neue seines Bruders um so mehr. Als Charlotte bei den Brüdern einzieht, beginnt er um sie zu werben, und damit Claude sie nicht vor die Tür setzt, schlägt Mathieu seinem chronisch blanken Bruder vor, ihm sechs Monate die Miete zu bezahlen, wenn dieser ihr noch zwei Monate seine Liebe vorgaukelt. Diese Zeit will Mathieu nutzen, um Charlotte von sich zu ...
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Zu anderen (Theater-) Zeiten wäre er, blond und blass, hellstimmig und von kräftiger Statur, jünglingshaft noch als Fünfziger, der ideale «jugendliche Held» gewesen, Moraltrompeter und Mädchenschwarm. Mustert man die knapp fünf Jahrzehnte seines Schauspielerlebens durch – der 1932 in Hamburg geborene Beamtensohn sprang 1956 aus dem Literaturstudium und vom...
Das Verhängnis des Potsdamer Theaters nach 1945 war, dass es gar kein Theater gab. Jahrzehntelang fanden Schauspiel, Oper und Ballett in einem umfunktionierten Tanzsaal statt. Als man sich Ende der Achtziger angesichts bedrohlicher Baufälligkeit endlich zu einem Neubau aufgerafft hatte, kam die Wende dazwischen. Den halbfertigen Rohbau ließ die Stadt schließlich...
Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein...
