Mutter aller Zimmerschlachten

Am Deutschen Theater Berlin hetzt Jürgen Gosch Edward Albees kalte Krieger aufeinander: «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» mit Corinna Harfouch und Ulrich Matthes

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Who’s afraid of Virginia Woolf?», Edward Albees mit Abstand erfolgreichstes Stück, erlebte seine Broadway-Uraufführung am 13. Oktober 1962: im Oktober jener 13 Tage, in denen die Welt so kurz vor einem Atomkrieg stand wie nie zuvor und nie mehr später. Die Russen hatten Nuklearwaffen auf Kuba stationiert, Kennedy sein Ultimatum gestellt. Es war der Höhepunkt des Kalten Krieges, und Albees Nachrichten aus der Ehehölle waren auch ein politisches Stück. Es verkündete die Niederlage des Amerkanischen Traums, geißelte die Lügen des Patriotismus und forderte das Ende der Illusionen.

«I will not give up Berlin!», sagt George, der erfolglose Geschichtsprofessor an einem kleinen Nordengland-College, und meint West-Berlin (und seine Barhocker), das Symbol des Kalten Krieges, das seine Existenz nur dem Gleichgewicht des Schreckens verdankte. Dass das Westberlin der sechziger Jahre, das keine Sperrstunde kannte, zugleich ein Paradies für Säufer war, ist die einzige Assoziation, die 40 Jahre später, nach Mauerfall und Ende des kommunistischen Experiments, noch zündet.

Die Zeit hat die politische Metaebene in Albees Beziehungshölle gründlich geschliffen. Dass die Haupttäter Martha und George ...

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Theater heute Januar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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