An den Rand gefahren

Die Münchner Kammerspiele entdecken Münchens wilden Norden

Theater heute - Logo

Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung vom 7. Dezember 2004: «Straßen-Terror von maskierten Jugendlichen. 3 Frauen überfallen – eine verliert ihr Baby». Schauplatz ist, man hat es fast schon geahnt, das Hasenbergl, berüchtigter sozialer Brennpunkt im Münchner Norden. Am nächsten Tag sind die Täter gefasst: sieben Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, fünf Deutsche, ein Italiener und ein Albaner, die beim Krampus-Spielen willkürlich auf Passanten eingeprügelt haben.

Dass eines der drei türkischen Mädchen schwanger war, hatte sie nicht davon abgehalten, der jungen Frau mit einer Kette und Stöcken auf den Bauch zu schlagen ...

Da ist sie wieder, diese dumpfe, aus dem Nichts eskalierende Gewalt der Ghettokids, die man eigentlich gern für ein längst überholtes Klischee halten würde. War man doch gerade auf dem besten Weg, Vorurteile abzubauen, sich gegenseitig kennen zu lernen, Hemmschwellen zu überwinden, wie es so schön heißt. Seit Ende Oktober läuft an den Münchner Kammerspielen die Projektreihe «Bunnyhill», eine sozio-theatrale Feldforschung mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wie dem Bunnyhill-Club, der Bunnyhill-Academy, einem gemeinsam von Schauspielern der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits der Betroffenheit

Mathieu hätte gerne eine Freundin. Ein durchaus nachvollziehbarer und üblicherweise auch erfüllbarer Wunsch für einen jungen Mann. Doch so einfach ist das nicht in diesem Falle, denn Mathieu ist Zerebralparetiker. Die spastische Muskeltonusstörung fesselt ihn an den Rollstuhl, bereitet ihm Schwierigkeiten beim Sprechen und lässt seine Gliedmaßen unkontrolliert...

Letzte und allerletzte Kopfdramen

Mit dem Monologfestival am Schauspielhaus Zürich ging es 2001 los. Damals wurde eine einsame, vergessene Figur der amerikanischen Literatur für die Bühne entdeckt. «Bartleby, der Schreiber» – 1853 von Herman Melville geschrieben und zunächst anonym veröffentlicht – berichtet von einem störrischen Außenseiter und Leistungsverweigerer in einer Kanzlei der New Yorker...

Gut parallel ist nie daneben

Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Diese Sätze haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind immer wahr. Kein Kontext prüft sie mehr. Gezielt nach dem Bild des Zitats geschriebene Sätze nennt man Aphorismen. Ihr provokanter Scheintiefsinn schreit nach prüfender Vervollständigung, nach Kontext, nach Inszenierung. Doch relativ selten sind Motti und...