Jena: Check your privileges
Sie haben Scheiße gebaut, und sie wissen es. Ohne bösen Willen, aber dennoch. Lesley (Mona Vojacek Koper), Inga (Charlotte Puder) und Tom (André Hinderlich) sind Mitarbeiter eines US- Kulturmagazins in Deutschland und warten auf den erlösenden Anruf aus New York. Das Vergehen ist das gezeichnete Cover ihres aktuellen Heftes, auf dem eine nackte schwarze Frau zu sehen ist, die von einer weißen Frau porträtiert wird.
Klarer Fall von Rassismus, oder?
Anhand dieses Plots, den die reale «Elle» nach ihrem «Back to Black»-Cover im November tatsächlich fast genauso durchgespielt hat, wühlt Autorin Annelies Verbeke sich mit «Geht das schon wieder los – White Male Privilege» durch das Dickicht der aktuellen Identitätsdiskurse. Für die deutschsprachige Erstaufführung, eine Koproduktion mit dem Theater Rotterdam, hat Marten van Otterdjk den drei Protagonisten aus hellem glatten Holz eine runde Arena, einen Raum ohne Entkommen gebaut. Von allen Seiten blicken Zuschauer auf die Schauspieler. In der Mitte blinkt unentwegt eine runde Kommunikationsbox, Shitstorms und Hiobsbotschaften dringen über Smartwatches herein.
Regie führt Matjis Jansen, Teil des Wunderbaum-Führungskollektivs am ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...
In Großbritannien hatten im Herbst die ganz simplen politischen Narrative Hochkonjunktur. Auch im Theater ging es in der ersten Saisonhälfte um Storytelling. Aber anders. (Szene aus «Fairview» im Young Vic/London)
Bastian Reiber ist einer der vollmechanischen Gummimenschen im Schauspieluniversum von Herbert Fritsch. Aber er kann auch ganz anders.
Ein...
Sebastian Zimmler erzählt aus dem Theateralltag. Repertoirevorstellung am Hamburger Thalia, er spielt in Christopher Rüpings gegen Ende etwas mäandernder Inszenierung von Benjamin von Stuckrad-Barres «Panikherz», Unruhe im Saal. Und kurz nach der Pause nölt eine Stimme aus dem Publikum: «Laaaaaaaangweilig!» «Ich habe gecheckt, okay, das ist ein Schüler, der sitzt...
