«Jeder hat eine Agenda!»

Julia Wissert und Sabine Reich werden ab der Saison 2020/21 das Schauspiel Dortmund leiten. Ein Gespräch über das Unbehagen am Stadttheater, die Suche nach neuem gemeinsamen Umgang und die Arbeit an der Institution

Theater heute - Logo

Theater heute Die Entscheidung für Sie, die neue Dortmunder Intendantin Julia Wissert und ihre Stellvertreterin Sabine Reich, kam für viele durchaus überraschend: keiner der üblichen Namen, aber eben auch keine erfahrene, ästhetisch einschätzbare neue Intendant*in. Was war das für ein Konzept, das die Dortmunder Kulturverantwortlichen so nachdrücklich überzeugt hat?

Julia Wissert Unser Konzept «Stadttheater für die ganze Stadt» klingt einfach, ist es aber nicht, wie wir alle wissen.

Der Ausgangspunkt war unser Gespräch darüber, wie Theater sich verändern muss, um sich als ein Ort für alle aufstellen zu können. Als ein Ort, der die Mehrheit der Stadt erreicht. Wir fragten uns, was wir im Theater nicht mehr erleben und wieso wir nicht mehr im Theater arbeiten wollten.

TH Was meinen Sie damit?

Wissert Positiv ausgedrückt glaube ich, dass es eine gewisse Distanz oder eine fehlende Sehnsucht der Bevölkerung nach dem Theater gibt.

Sabine Reich Wir alle wissen, dass sich Stadtgesellschaft verändert, aber Theater vergleichsweise sehr viel langsamer. Unser Ansatz ist – anders als man vielleicht vor zehn oder fünfzehn Jahren reagierte –, dass wir nicht das Publikum ändern wollen, nicht auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Aussichten auf die neue Saison, Seite 128
von

Weitere Beiträge
König der Ausgeschlossenen

Shakespeares Zeitgenoss*innen müssen dessen zweiteiliges Historiendrama «Heinrich IV.», das chronologische Scharnier zwischen den Königsdramen «Richard II.» und «Heinrich V.», auch als Kommentar auf ihre Gegenwart und den ungewissen Fortbestand des innen- wie außenpolitisch massiv unter Druck stehenden englischen Königreichs verstanden haben. Längst ist die letzte...

Uraufführungen 20/21

A
Ibrahim Amir

Noch kein Titel (Schauspiel Köln)
Thomas Arzt
Leben und Sterben in Wien (Theater in der Josefstadt Wien)

B
Lukas Bärfuss

Das Einsiedler Welttheater (Klosterplatz Einsiedeln)
Luther (Nibelungenfestspiele Worms)
Wolfgang Barth
Rabatz im Zauberwald II (Waldbühne Heessen)
Esther Becker
Das Leben ist ein Wunschkonzert (Grips Theater Berlin)
Constanze...

«Die Polarisierungen nehmen zu»

Theater heute Was macht Corona mit unserer Gesellschaft, zumindest soweit sich das jetzt schon absehen lässt? Vielleicht ist es sinnvoll, noch einmal ein paar wesentliche Entwicklungen vor allem seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und deren Folgen aufzurufen. Zentrale Stichworte dafür wären Globalisierung, Postindustrialisierung und Digitalisierung. Was...