König der Ausgeschlossenen
Shakespeares Zeitgenoss*innen müssen dessen zweiteiliges Historiendrama «Heinrich IV.», das chronologische Scharnier zwischen den Königsdramen «Richard II.» und «Heinrich V.», auch als Kommentar auf ihre Gegenwart und den ungewissen Fortbestand des innen- wie außenpolitisch massiv unter Druck stehenden englischen Königreichs verstanden haben. Längst ist die letzte Herrschaftsdekade Königin Elisabeths I. angebrochen, deren Nachfolge ungeklärt ist und ein politisches Vakuum befürchten lässt.
Shakespeare richtet den Blick durch den Spiegel der Vergangenheit nach vorne in eine beängstigende Zukunft und (ver)dichtet mit «Heinrich IV.» die mittelalterliche Historie jenes Usurpators, der König Richard II. entmachtete und illegitim zum Herrscher wurde.
Was aber passiert, wenn ein König als gesalbter weltlicher Repräsentant Gottes auf Erden gestürzt und die Geschichtsordnung somit pervertiert wird? Dann wird der unantastbare metaphysische Königskörper zum sterblichen Überrest und (Feudal-)Geschichte nicht mehr durch eine göttliche Ordnung legitimiert, sondern lediglich gemacht. Der Thron wird mit der widerrechtlichen Aneignung durch Heinrich IV. profaniert und somit zum bloßen ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Constanze Kargl
Great wide open, das klingt wie ein Versprechen und ein Abgrund zugleich. Oder wie ein (natürlich abgesagtes) Tennisturnier. «A rebel without a clue» ist der nachwuchsmusikalische Protagonist in Tom Pettys James-Dean-Abgesang «Into The Great Wide Open»: ein Aufbegehrender, der nicht nur keinen Grund, sondern außerdem noch keine Ahnung hat. Ein solcher kann eben...
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. Sowas wie Bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt grad überleb ich auch. Es fühlt sich noch nicht an wie...
Was wird anders nach Corona? Angesichts der Entscheidungen, die wir als demokratische Staaten bereits getroffen haben: rein gar nichts. Milliardenhilfen wurden für jene Sektoren beschlossen, die an der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen den entscheidenden Anteil hatten. Sie können ihre Arbeit nun zu Ende führen: Fluggesellschaften, Erdöl- und Autokonzerne....
