König der Ausgeschlossenen
Shakespeares Zeitgenoss*innen müssen dessen zweiteiliges Historiendrama «Heinrich IV.», das chronologische Scharnier zwischen den Königsdramen «Richard II.» und «Heinrich V.», auch als Kommentar auf ihre Gegenwart und den ungewissen Fortbestand des innen- wie außenpolitisch massiv unter Druck stehenden englischen Königreichs verstanden haben. Längst ist die letzte Herrschaftsdekade Königin Elisabeths I. angebrochen, deren Nachfolge ungeklärt ist und ein politisches Vakuum befürchten lässt.
Shakespeare richtet den Blick durch den Spiegel der Vergangenheit nach vorne in eine beängstigende Zukunft und (ver)dichtet mit «Heinrich IV.» die mittelalterliche Historie jenes Usurpators, der König Richard II. entmachtete und illegitim zum Herrscher wurde.
Was aber passiert, wenn ein König als gesalbter weltlicher Repräsentant Gottes auf Erden gestürzt und die Geschichtsordnung somit pervertiert wird? Dann wird der unantastbare metaphysische Königskörper zum sterblichen Überrest und (Feudal-)Geschichte nicht mehr durch eine göttliche Ordnung legitimiert, sondern lediglich gemacht. Der Thron wird mit der widerrechtlichen Aneignung durch Heinrich IV. profaniert und somit zum bloßen ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Constanze Kargl
Grad noch Büchner, jetzt Euripides. Es ist bemerkenswert: So gut wie ausschließlich klassische Stoffe hat Leonie Böhm auf die Bühne gebracht. Angefangen mit «Nathan die Weise» 2017 am Thalia-Theater und «Yung Faust» 2019 an den Münchner Kammerspielen – beide eingeladen zum Festival Radikal Jung. Dann «Fuck Identity, Love Romeo» (Bremen), «Die Räuberinnen» (München)...
eine kleine shutdown-chaconne
fürs große leere burgtheater
willkommen in der irrelevanz
und
viel spaß
musik
tomaso antonio vitali – chaconne in g minor
fka twigs – home with you
johann jakob froberger – suite no 12 in C major (lamento sopra la
dolorosa oerdita della real msta di ferdinando iv)
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hinten ein paar geigen
die einfach keine ruhe geben wollen
zwei drei...
Schon seit Jahrhunderten haftet Intendant*innen der Ruf an, dass sie bisweilen die unter ihrer Obhut Stehenden nicht ausschließlich mit wohlmeinender Fürsorglichkeit umsorgen. Während der Pest in Venedig zum Beispiel wurde die verordnete Ausgangssperre rigoroser gehandhabt als zu unseren Zeiten, ausnahmslos hatte man im Haus zu bleiben, die Türen wurden von außen...
