Jede Menge Leben
Jung und alt ist immer ein schöner Gegensatz: TikTok-süchtige Medienzombies versus Wählscheibentelefonen hinterhertrauernde Untote, wobei beide Seiten den Respekt gegenüber der jeweils anderen oft vermissen lassen. Die Regisseurin und Autorin Karen Breece hat in einem Rechercheprojekt mit jungen alten Leipziger:innen am Theater der Jungen Welt diesen Gegensatz szenisch untersucht. Sechs von ihnen stehen am Ende auf der Bühne mit der Schauspielerin Katherina Sattler und kommen miteinander ins Spiel.
«Geboren werden, sterben, es ist alles dasselbe», heißt es im Anfangsmonolog, der von einer 99-jährigen Teilnehmerin der Workshops zur Produk -tion stammt. Aber dazwischen passiert dann noch jede Menge Leben.
Zunächst aber steht der obligatorische Clash der Generationen auf dem Programm. Erik Enzian sitzt alleine auf der Bühne. Er ist Mitglied des Opernlaienchores und für einen Seniorenpart zum Casting gekommen, das als Schriftzug auch groß hinter ihm aufleuchtet. Die Bühne von Nils Braun ist leer außer ein paar beweglichen weißen Holzbänken, die zu allerlei Sitzformationen zusammengeschoben werden können – oder gar zu einer Art Rennauto werden. Zu Enzian gesellt sich bald der junge ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs
«Das sind nur die 90er, mein Freund, und das ist nicht mal bös’ gemeint.» So sang einst die Punk-Band But Alive über ihr identitätsstiftendes Jahrzehnt. Die Band ist inzwischen aufgelöst, ihr Sänger steht heute der Polit-Poprock-Combo Kettcar vor. Besonders im Osten, also in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas, waren die 1990er ein wilder Ritt...
Die Signatur von Regisseurin Anna Bergmann ist unverkennbar: die Musik, der Gesang, die Drehbühne und nicht zuletzt der bewegende Stoff. Emily Brontës Klassiker «Sturmhöhe», 1847 veröffentlicht, erzählt der Roman eine verworrene Geschichte über Liebe, Hass und Rache. Im Zentrum: der dunkelhäutige Heathcliff. Nachdem er als Waisenkind auf dem Gutshof Wuthering...
Auf der großen Videoleinwand in der Bühnenmitte splittern Glasscherben, ein Martinshorn ist zu hören, später die Signale eines Überwachungssystems auf der Intensivstation. Dann singt eine weiße Gestalt die Arie «Piangerò» aus der Händel-Oper «Giulio Cesare in Egitto». Das Lied, in dem Cleopatra verzweifelt den vermeintlichen Tod Cesares beklagt.
Das muss man sich...
