Ja, mach nur einen Plan
Bescheidenheit sieht anders aus: Ein brüllend bunter MGM-Löwe auf dem Titel fletscht seine makellosen Eckzähne dem Publikum entgegen. Der Spielzeitprospekt des Zürcher Schauspielhauses ist mit reißerisch noch zurückhaltend beschrieben und legt auch keinen Wert auf lange Haltbarkeit. Papier und Format wie eine Tageszeitung, die Motive im Stil von Bollywood-Plakaten. Dazu für jedes Stück eine kurze Inhaltsangabe und eine Überschrift wie vom «BILD»-Balken.
Auf der mittleren Doppelseite das eindrucksvolle Ensemble im nämlichen Stil porträtiert, unter ihnen ein diabolisch grinsender Michael Maertens mit Piratenbart. Der nicht als Rampenflüchtling bekannte Schauspieler hatte passenderweise unlängst einem «Stern»-Reporter in die Feder diktiert, er sei schließlich nicht Schauspieler geworden, um sich hinter einer Säule zu verstecken.
Das Allerunbescheidenste am auffälligsten Spielzeitheft der neuen Saison ist aber noch etwas ganz anderes: kein einziger zusammenhängender Gedanke! Nicht mal ein zugewandtes Intendantenvorwort! Jede Produktion steht für sich allein, kein Spielplankonzept wird seine Schwimmflügelchen ausbreiten und sie in schwerer See wenigstens in den Pantheon der ...
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Eins der letzten Tabus unserer Gesellschaft sei sie, die «postpartale Depression», die Depression nach der Entbindung, behauptet das Presseheft zu Emily Atefs Film «Das Fremde in mir» nicht ohne Pathos. Aufklärung über, Verständnis für eine schwer vermittelbare Krankheit, der laut Wikipedia jährlich 80.000 Frauen in Deutschland zum Opfer fallen, hat sich die junge,...
Die mitreißendste Vorschau der neuen Saison kommt aus Zürich. Dort macht man nicht viele Worte – die folgen auf der Bühne später sowieso –, sondern brüllt aus vollem Bollywood-Löwenherzen.
Die Spielzeit ist eröffnet mit einem donnernden Rooooooaaaaaaar!!!! und kräftigen Tatzenhieb vom Schauspielhaus und seinem indischen Plakatmaler V. Jeevananthan!
Schlafsacklarven säumen die Mönckebergstraße zwischen Hauptbahnhof und Thalia Theater. Verschanzt hinter Plastiktüten und Bierflaschen liegen sie in den verschlossenen Eingängen zu Zara und Vattenfall und erinnern die Sonntagsspaziergänger daran, dass nicht jeder auf dieselbe Weise in der Shoppingwelt ankommt. Kurz darauf im Theater: alles voller Schlafsacklarven....
