Instagrammable
Schöne Dauerbrenner zur Winterzeit hat das Schauspiel Düsseldorf in dichter Folge auf den Spielplan gebracht: «Der Geizige» ist Molières neben dem «Tartuffe» meistgespieltes Stück über einen paranoid-narzisstischen Patriarchen, dem sein Geld sogar über die Liebe zu seinen Kindern geht. Eifrig wird im Programmheft dazu auf heutige Populisten und Manipulateure verwiesen.
Und auch die weibliche Selbstbefreiung von Ibsens «Nora» ist unermüdlich stadttheaterpräsent, auch wenn sie einerseits nicht mehr ganz auf Diskurshöhe ist – und andererseits von rückwärtsgerichteten Instagram-Idealen schwer konterkariert wird.
Mit Gegenwartsanspielungen hat sich Re -gisseurin Bernadette Sonnenbichler in ihrer Düsseldorfer «Geizigen»-Inszenierung dennoch zurückgehalten. Ganz zeitlos wirkt schon das atemberaubende Bühnengebilde von David Hohmann: eine Art Treppenhaus-Gerippe, das aussieht wie eine der unmöglichen Architekturen des Zeichners H.C. Escher: Treppenfluchten, die ins Nichts führen, Perspektiven, die sich jederzeit umstülpen lassen.
Genau im Zentrum, in einem goldenen Rahmen, erscheint der allmächtige Hausherr Har -pagon (Thomas Wittmann) mit theatralem Suspense als Schattenriss aus ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Dorothea Marcus
«Dass die Miliz sich einschifft nach Batavia, den eingebornen Kön’gen dort (...) Raub zum Heil der Haager Krämer abzujagen.»
Diesen Satz von Kleist muss man verstanden haben, will man Philipp Preuss’ Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» im Theater an der Ruhr verstehen. Aber er kommt erst ganz am Schluss. Also rätselt man herum, warum in der altbekannten Geschichte...
Dass über die Mächtigen gelacht werden darf, ist eine der unbestreitbaren Errungenschaften der Demokratie, und überall da, wo sich heute populistische Autokraten zurückmelden, stirbt das Lachen zuerst. Deshalb folgt schon bei den antiken Dionysien auf eine Trilogie von drei schrecktriefenden Tragödien jeweils ein be -freiend anarchisches Satyrspiel. Das...
Der Balkan ist eine kleine Region», erklärt Aurela Kadriu, Produzentin und Kuratorin der kosovarischen Plattform Qendra Multimedia. «Es gibt nur wenig Austausch zwischen den Theatermacher:innen, obwohl unsere gesellschaftlichen Entwicklungen und Probleme ähnlich sind und wir auf der Bühne die gleichen Themen verhandeln.»
Das ist einer der Gründe, weshalb Qendra...
