Ins wunderbare Rom
Es heißt, Menschen könnten sich ändern. Aber eigentlich geschieht das so selten, dass Ausnahmen gerne in Kinofilmen und Romanen inszeniert werden, wo sie immer zu großen Rührstücken geraten. Wenn es tatsächlich möglich ist, dass ein Mensch sein Verhalten ändert – und zwar zum Positiven –, dann packt das den Zuschauer an seiner weichsten Stelle. In unserer erlernten Verhaltenswelt sagt die Erfahrung nämlich meistens das, was Shirley Bassey einst sang: «It’s all just a little bit of history repeating».
Manchmal geschieht aber doch Wunderliches: Eine Person verwandelt sich plötzlich vor allen Augen in eine aufregende Persönlichkeit. Dinge, die vorher nervten, erscheinen nun interessant, die Körpersprache, die einst eitel und übertrieben wirkte, besitzt nun die Aura von mutig und energisch, das Geschwätz von gestern bekommt die schillernde Tiefe von Lebenserfahrung und verarbeiteten Schmerzen. Und am eindrücklichsten ist diese Verwandlung, wenn man sie nur sehr schwer an Einzelheiten festmachen kann, denn radikale Veränderungen – das weiß auch jeder – reproduzieren nur die alten Fehler in neuen Fratzen, oder sie sind von kurzer Dauer.
Richtig genervt hat früher Thomas Schmauser. Er war ...
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Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und...
Irgendwann am Eröffnungsabend sagte der neue Intendant, er wolle «kein hippes Theater» machen. Mit Blick auf das Mitte-Völkchen aus Kunst, Politik und Journaille, das sich währenddessen im lichtergeschmückten Garten des Maxim Gorki Theaters tummelte, zwischen zehn Premieren an sechs Spielorten hin- und herschwirrte und sich pudelwohl zu fühlen schien, klang das...
Woran liegt es, wenn es wieder einmal hakt im Hirn? Wenn sich angesichts der leeren Bühne oder des weißen Papiers alle Ideen ganz hinten im Gestrüpp der grauen Zellen versteckt zu haben scheinen? Handelt es sich in solchen Fällen tatsächlich um voll zurechnungsfähiges menschliches Versagen? Oder bloß um einen akuten Mangel an bestimmten Neurotransmittern in unserem...
