Das Boot war leer

Jon Fosse «Sommertag»

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Das Meer ist unergründlich und end­los weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theater­stück «Sommertag». Auf drei dominan­ten Prospekten hat Monika Gora (Büh­ne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der offene Raum – das alte Haus am Fjord – wirkt ungemütlich und überdimensioniert, schwankt zwischen «Schöner Wohnen» in Airbrush-Ästhetik und kalt kargem Zuhause weitab der Zivilisation.


Axel Dietrich, der in Lübeck die deutschsprachige Erstaufführung übernommen hat, lässt hier den «Som­mertag» mit einer langen Stille begin­nen. Zwei schweigende Frauen, eine sit­zend, eine stehend. Die eine, die «Ältere Frau» (Gitta Schweighöfer), blickt aus dem Fenster, die andere, die «Älte­re Freundin» (Katrin Rehberg) in ihre Teetasse. Ihr «ich geh dann mal» versackt zunächst im Sofakissen, erst im zweiten Anlauf und nach einem brüchigen Wortwechsel mit der anderen stolziert sie beinah mondän, mit spitzen, garantiert Outdoor-untauglichen Schuhen in Richtung Meer.
Die «Ältere Frau» bleibt am Fens­ter stehen: Rückenansicht vor ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Katrin Ullmann

Vergriffen
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