Ingolstadt: Schmaler Grat
Was hat Theater mit der Wirklichkeit zu tun? Sehr viel in diesen Tagen: In Kabul stürmen Taliban eine Aufführung der Gruppe AZDAR und verüben einen Anschlag, bei dem zwei Menschen sterben; in der Folge dürfen die Mitglieder des Theaters nicht zu einem Gastspiel nach Deutschland reisen, weil die (deutschen) Behörden Flucht-gefahr wittern.
In Gera führt das Theater ein klug gebasteltes Stück über die Licht- und Schattenseiten des Islam auf; die Suche nach einer befristeten Mietwohnung für einen mitwirkenden farbigen Schauspieler muss aufgegeben werden, weil ihn in der ganzen Stadt niemand aufnehmen will. In Paris entgeht die algerische Schriftstellerin Rayhana nur knapp einem Anschlag; sie war auf dem Weg zu einer Aufführung ihres Stückes «In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich», in dem sich mehr oder weniger gläubige Frauen in der geschützten Atmosphäre eines Hamams in Algier über die Männer genüsslich das Maul zerreißen und doch in die Schranken eines islamischen Staats gewiesen werden, der ihnen weder Meinungs- noch Vergnügungsfreiheit zugesteht.
Und bei Rayhana ist das Theater tatsächlich in der Wirklichkeit angekommen. Die Ingolstädter deutschsprachige Erstaufführung in ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack
«ALL I SEE» – alles, was ich sehe – steht auf dem Szenenvorhang. Zum Auftakt fangen die Buchstaben nervös zu blinken an. Was sehe ich, was kann ich erkennen, werde ich als der erkannt, der ich bin? Im Verlauf seiner sehr freien «Iphigenie»-Adaption auf der Kammerspielbühne des Frankfurter Schauspiels lässt Ersan Mondtag ein paar Mal den Zusammenhang von Erkenntnis...
TH Der Deutsche Bühnenverein hat auf seiner letzten Hauptversammlung in Kaiserslautern festgestellt, dass er die Arbeitsbedingungen für darstellende Künstler an den Stadt- und Staatstheatern sowie den Landesbühnen «weitgehend für zufriedenstellend» hält. Die Gagen lägen je nach Beruf zwischen 2.700 und 3.100 Euro im Monat. Lisa Jopt und Sebastian Rudolph, Sie...
Nichteingeweihten wird der Titel des neuen Pollesch-Zweiteilers «Diskurs über die Serie und Reflexionsbude (Es beginnt erst bei Drei), die das qualifiziert verarscht werden great again gemacht hat etc. Kurz: Volksbühnen-Diskurs» vielleicht etwas merkwürdig erscheinen. Kenner des Berliner Theaterkampfplatzes aber horchen auf: Will René Pollesch etwa die Worte des...
