Abschied mit «Uncertainty»
Die alljährliche Suche eines geeigneten Festivalmottos stellt eine der größten Herausforderungen für das Kuratieren wiederkehrender Festivalreihen dar. Einerseits muss die vermeintliche thematische Klammer eine möglichst grundlegende Differenz zur letztjährigen Festivalausgabe markieren. Darüber hinaus sollte sie Ausdruck eines versierten kritischen Gesellschaftsbewusstseins sein, das sich inhaltlich in flankierenden Diskursveranstaltungen weiterverfolgen lässt.
Andererseits benötigt das optimale Festivalmotto natürlich ein ausreichend großes begriffliches Unbestimmtheitspotenzial, das seine Unverbindlichkeit den eingeladenen künstlerischen Arbeiten gegenüber gewährleistet. Mit «Uncertainty» – Unsicherheit, Ungewissheit – erfüllte das diesjährige Motto der fünften und letzten Ausgabe des internationalen Festivals Foreign Affairs die Anforderungen also geradezu vorbildlich.
«Uncertainty» herrschte beim Festival vor allem hinsichtlich der Zukunft der zeitgenössischen performativen Künste bei den Berliner Festspielen, die der nach vier Jahren scheidende, zukünftig als Ko-Kurator des Athen- und Epidaurus-Festivals tätige Festivalleiter Matthias von Hartz in seiner Eröffnungsrede ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 29
von Anja Quickert
Personen
Elisabeth Lear Industriemagnatin in fortgeschrittenem Alter, Erbin und alleinige Besitzerin des ehemaligen Baukonzerns Lear A, jetzt: des internationalen Mischkonzerns Lear Inc.
Robert Kent seit Jahrzehnten Lears rechte Hand bei allen Geschäften
Gregory Lears ältester Sohn
Hendrik zweitältester Sohn
Cornal jüngster Sohn
Connie Gregorys Frau
Alma Hendriks...
Am Rande eines unwirtlichen Platzes, eines verkehrsumtosten, heißen, öden Steinquadrats, steht ein sorgsam geschichteter Wall aus Sperrmüll. Auf zwei klapprigen Bürostühlen, eingepasst in diesen Wall, sitzen zwei Personen mit weißen T-Shirts und weißen Masken, Regenschirme schützen sie vor der brennenden Sonne. In einem Regal liegt Lesestoff zum verstorbenen...
Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Heinrich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb...
