Basel: Lose Zungen
Entspannt bescheint die Abendsonne die Arena von Augusta Raurica. Der alte Stein strahlt warm zurück. Der Himmel zeigt sein sauberstes Blau, die Baumreihe auf dem Römertheaterhügel nahe Basel ein kraftvolles Grün, das Publikum auf der spiegelverkehrt das antike Zuschauerhalbrund überblickenden Tribüne zeigt Heiterkeit. Da ist es gut, dass ein weher Gitarrensong die Luft mit Melancholie bestäubt, wir sitzen hier ja nicht im Sommernachtstraum – obschon bei Shakespeare und Kulisse schlichtweg traumhaft.
In Illyrien sind wir, gespielt wird «Was ihr wollt», Saisonauftakt mit dem Theater Basel, ungewohnt früh, ungewohnt openair. Da naht auch schon Herzog Orsino, er schleift einen pompösen, wenn auch schlaffen Schottenkaro-Ballon mit sich, ein merkwürdiges Machtinsignium, das stumm in die Welt hinausschreit: Seht her, der Herzog mag ein wenig aufgeblasen wirken, die Luft ist gleichwohl raus bei diesem edlen, eitlen Mann. Entsprechend goldschwarz färbt Thiemo Strutzenberger seine Launen.
Doch wir greifen vor. Einstweilen taumelt Viola auf die Bretter, von einem grünblauen Stoffmeer umwogt. Geschickt schlüpft Lisa Stiegler aus dem Kleid, strandet praktisch nackt auf Illyriens Fels, genau im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Stephan Reuter
Aachen, Theater
1. Dürrenmatt, Die Physiker
R. Christian von Treskow
27. Lausund, Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner
R. Marion Schneider-Bast
Aalen, Theater der Stadt
2. Ramløse und Elhauge, Die Geschichte von Lena
R. Winfried Tobias
8. Ecer und Hintze, Samstag in Europa – Gefährliche Begegnungen (U)
R. Tina Brüggemann
16. Streul und Syri, Die Sternstunde des Josef...
Als Katherine Anne Porters Roman «Das Narrenschiff» 1962 erschien, wurde er in den USA als Jahrhundertwerk bejubelt und bald auf Platz 1 der Bestsellerliste geführt. In Deutschland hingegen wurde der Erfolg des Buchs schmallippig aufgenommen; Kritiker warfen der texanischen Autorin (1890–1980) antideutsche Ressentiments vor. Tatsächlich werden die meisten Deutschen...
Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Heinrich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb...
