Basel: Lose Zungen
Entspannt bescheint die Abendsonne die Arena von Augusta Raurica. Der alte Stein strahlt warm zurück. Der Himmel zeigt sein sauberstes Blau, die Baumreihe auf dem Römertheaterhügel nahe Basel ein kraftvolles Grün, das Publikum auf der spiegelverkehrt das antike Zuschauerhalbrund überblickenden Tribüne zeigt Heiterkeit. Da ist es gut, dass ein weher Gitarrensong die Luft mit Melancholie bestäubt, wir sitzen hier ja nicht im Sommernachtstraum – obschon bei Shakespeare und Kulisse schlichtweg traumhaft.
In Illyrien sind wir, gespielt wird «Was ihr wollt», Saisonauftakt mit dem Theater Basel, ungewohnt früh, ungewohnt openair. Da naht auch schon Herzog Orsino, er schleift einen pompösen, wenn auch schlaffen Schottenkaro-Ballon mit sich, ein merkwürdiges Machtinsignium, das stumm in die Welt hinausschreit: Seht her, der Herzog mag ein wenig aufgeblasen wirken, die Luft ist gleichwohl raus bei diesem edlen, eitlen Mann. Entsprechend goldschwarz färbt Thiemo Strutzenberger seine Launen.
Doch wir greifen vor. Einstweilen taumelt Viola auf die Bretter, von einem grünblauen Stoffmeer umwogt. Geschickt schlüpft Lisa Stiegler aus dem Kleid, strandet praktisch nackt auf Illyriens Fels, genau im ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Stephan Reuter
In diesen ersten Monaten des Exils schmerzte Kerr nicht nur die Trennung von Berlin. Er wartete auf Stimmen der zurückgelassenen Freunde und nahm nun wahr, dass manche von denen, die er zu seinen besten Freunden rechnete und die ihn «Freund» nannten, nichts mehr von ihm wissen wollten. Am tiefsten erschütterte ihn die Reaktion des von ihm so verehrten Gerhart...
Am Rande eines unwirtlichen Platzes, eines verkehrsumtosten, heißen, öden Steinquadrats, steht ein sorgsam geschichteter Wall aus Sperrmüll. Auf zwei klapprigen Bürostühlen, eingepasst in diesen Wall, sitzen zwei Personen mit weißen T-Shirts und weißen Masken, Regenschirme schützen sie vor der brennenden Sonne. In einem Regal liegt Lesestoff zum verstorbenen...
Vom Verschwinden» ist der Titel einer höchst verstörenden Theater-Performance, die beim diesjährigen Kunstfest in Weimar zu sehen war. Vom möglichen Verschwinden wurde dort im Thüringischen aber auch noch in einem anderen Zusammenhang gesprochen: Die Zukunft dieses seit 1990 stattfindenden Mehrsparten-Festivals ist ungewiss, und wenn alles schlecht geht, dann wird...
