In zärtlicher Gleichgültigkeit

Sind alte Romane die neuen Stücke? Drei Versuche in Dresden, Berlin und Hamburg mit Harry Mulischs «Das steinerne Brautbett», Franz Kafkas «Das Schloss» und Albert Camus’ «Der Fremde»

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Eine Herbstreise durch die Romane inszenierende Theaterlandschaft könnte endlos dauern. Tatsächlich ist ja, seit Frank Castorf irgendwann Mitte der 1990er Jahre anfing, schwere Russen-Romane oder feuilletonistische Zeitgeist­ergüsse in exaltierte Bühnenwelten zu verwandeln, aus dem interessanten Sonder- ein dramaturgischer Normalfall geworden. Ein Paradox befeuert den Trend: Einerseits lässt sich kaum noch jemand vom heiligen Text («Werktreue») beeindru­cken oder daran hindern, ausufernde Landschafts-, Seelen- oder Kriegsbeschreibungen auf pragmatisches Abendformat zusammenzustreichen.

Andererseits muss, wer berühmte Romane (und Filme) vertheatert, doch selbst mal von ihnen beeindruckt gewesen sein – und rechnet entsprechend mit Bildungsbürgers freudigem Wiedererkennen, das letztlich doch auf Ehrfurcht vor den großen Werken fußt.


Lokalpatriotischer Vorstoß


Führt aber die Freiheit, sich für jeden Stoff, jedes Textmaterial der Welt entscheiden zu können, auch zu einer größeren Vielfalt der Theaterformen? Oder sind die Stoffe der alten Romane einfach besser als die der neuen Stücke? Allein die drei Stationen meiner Tour müssen jedes LeserHerz hoch schlagen lassen: Franz Kafkas «Das ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 18
von Eva Behrendt

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