In Schönheit erspielt

In Köln inszeniert Stefan Bachmann Shakespeares «Hamlet» im Depot 1, Pinar Karabulut bringt Dirk Lauckes «Karnickel» zur Uraufführung in der neuen Außenspielstätte Offenbachplatz

Theater heute - Logo

In Köln dreht das Theater die kulturelle Geometrie der Stadt jetzt um. Das Zentrum ist weit draußen, der Rand ist in der Mitte.

Zum Zentrum wird das immer mehr sich verfestigende Provisorium des «Depots» im Vorort Mülheim. Bis 2019 wird das Schauspiel dort mindestens noch bleiben müssen.

Als «Außenspielstätte» aber hat Intendant Stefan Bachmann sich zumindest für eine Spielzeit einen Platz im Herzen der Stadt erobert: das halbfertige Kleine Schauspielhaus, ein Teil des großen, zur Zeit im Dornröschenschlaf die Fortsetzung der Sanierung erwartenden Komplexes von Schauspielhaus und Oper am Of­fenbachplatz. Mit den Spielorten tauschten zu Beginn der Spielzeit auch die Spielweisen die Plätze: am Rande die streng formalisierte Pflege eines ewigen Klassikers, im Zentrum die freche Präsentation schnell vergänglicher Gegenwartsbespiegelung.

Alles ist Bühne:
Bachmanns «Hamlet»

Der Traditionsverpflichtung kommt Stefan Bachmann mit einer mit allen Wassern der aktuellen ästhetischen Moden gewaschenen Inszenierung nach. Er setzt dem mit seiner Inszenierung von Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» in der letzten Spielzeit begonnenen Stil der Reduktion fort. Auf derselben Parkettdrehscheibe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Gerhard Preußer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bewegung an der Southbank

Scheinbar hat sich am National Theatre gar nicht so viel getan, seit Rufus Norris letzten Sommer seine allererste Spielzeit vorstellte. Der Mix aus Klassikern und neuen Stücken blieb erstaunlich stabil, wenn man bedenkt, dass Norris seinen Namen mit «New Writing» gemacht hat. Doch auf den zweiten Blick zeigen sich subtile Umgewichtungen. Norris ist – man höre und...

Rasender Stillstand

Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft. Eine ge­schla­gene Viertelstunde lang steigert...

Time to say Good-bye

Seit anderthalb Jahren tobt er nun schon, der Kulturkrieg in Berlin: Seit Tim Renner, denkbar ungeschickt kommunizierend, im April 2015 den Tate-Direktor Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs designierte, teilt sich Berlins Theaterszene in unversöhnliche Pro- oder Contra-Fraktionen. Dass Frank Castorf nach einem Vierteljahrhundert den Hut nehmen soll, um nur...