Göttingen/Heidelberg: Atlantas Algorithmen
Im Heidelberger Theater ist die Zukunft noch nicht auf der Bühne angekommen, im Deutschen Theater Göttingen schon. Dort rollen alte Männer auf elektrischen Rollstühlen über die Bühne und werden von einer Pflegekraft versorgt, die auf einem selbstbalancierenden Elektroroller jongliert. Am Heidelberger Theater dagegen hat man erst gar nicht den Versuch unternommen, Rittbergers Doku-Parabel zum Thema Fremdenfeindlichkeit technologisch aufzurüsten. Schließlich geht es «nur» um alte Herren, die anscheinend Burschenschaften angehörten und irgendwann wie auf Kommando dement wurden.
Jetzt mümmeln sie in einem Pflegeheim und äußern sich auch weiterhin nicht unbedingt xenophil. Man könnte meinen, AfD- und Pegidahetzer wie Frauke Petry und Lutz Bachmann säßen 2040 zusammen und träumten von alten Zeiten. Viel Spaß hat die Runde, wenn erzählt wird, ein verwaister, dreijähriger syrischer Junge sei in einer kalten, klaren Februarnacht just vor dem Bundesinnenministerium erfroren.
Kevin Rittberger hat rechtsnational gefärbte Äußerungen zusammengetragen und vier Demenzburschen in den Mund gelegt. Sie heißen Elsass, Nagel, Lunov, Etsch und wandeln durch einen Theatertext, dessen Grundierung wohl das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wilfried Schulz ist von Dresden nach Düsseldorf geeilt, um das darniederliegende Schauspielhaus endlich wieder wachzuküssen. Allerdings fand er dort er nur eine Tiefgaragen-Baustelle. Jetzt soll es ein lauschiges Zelt richten: der Start am Rhein.
Einer muss es ja machen: «Europa verteidigen»! Das neue Stück von Konstantin Küspert in Bamberg – der Stückabdruck.
Fran...
Louis XIV. hat Versailles gebaut. Das Ballett erfunden. Und den «Code Noir» niedergeschrieben, eine Definition der Beziehung zwischen weißem Chef und schwarzem Sklaven. 1715 starb der Sonnenkönig, während der Französischen Revolution wurde sein Grab geschändet, seine Werke aber leben weiter. Versailles ist bis heute ein touristischer Hotspot, das Ballett, naja, und...
Von einem solchen Ariel können Theater nur träumen: Wenn Heini Koskinen in der Show «Mad in Finland» am Vertikaltuch auf und ab turnt, dann scheint sie nicht nur die Schwerkraft aufzuheben, sondern verleiht ihrer Choreografie mit ihrem koboldhaft androgynen Charisma etwas Magisches. Dass ihre Tücher schwarz und die Scheinwerfer eher schummrig eingestellt sind,...
