In Linz müsste man sein ... in Linz.
Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im Rollstuhl hat «Carmen» übernommen, was sonst.
Kurt-Peter, der sie durch diese kleine Theaterstunde und auch sonst durch die Krankenwelt schiebt, nimmt sich Peter den Großen vor, und auch die Ost-Ulknudel Helga Hahnemann ist besetzt. Ein einfaches Spiel: sich eine Persönlichkeit suchen, die völlig fremd ist, und zugleich vielleicht doch auch als kleiner Traum ein bisschen vertraut – die Patienten, die im Krankenhaus mit mehr oder minder schweren Defekten, stationär oder ambulant, in der Rehabilitation behandelt werden, genießen die Stunde sichtlich; womöglich nur als Abwechslung im Alltag zwischen Anwendungen und Mahlzeiten, Zeitung und Fernsehen. Vielleicht beginnen sie aber auch zu ahnen, wohin das führen kann: zu spielen – mit dem Bild von etwas oder jemand anderem; und also mit sich selber. Und ganz bestimmt mögen sie ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Die neue Klassengesellschaft?, Seite 22
von Michael Laages
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