Labyrinth ohne Notausgang
Mitten in der Nacht wacht ein Mann aus tiefem Schlaf auf. In seiner Küche findet er eine ihm unbekannte Frau vor, die behauptet, mit ihm verheiratet zu sein. Weder durch höfliche Worte noch durch die Androhung von Gewalt kann er sie dazu bringen, seine Wohnung zu verlassen. Erst als ihm Beweise vorgelegt werden, dass der Irrtum auf seiner Seite liegen muss, kommt ihm ein schrecklicher Verdacht: Er hat sein gesamtes Vorleben vergessen.
So beginnt Ulrich Hubs neuestes Stück, fast wie ein Film von David Lynch.
Allerdings hatte Hubs Mann ohne Vergangenheit – er gibt ihm den Namen Paulmann, während die anderen Figuren namenlos bleiben – keinen Autounfall, bei dem er Namen und Erinnerung verlor («Mulholland Drive») oder wacht blutüberströmt neben einer zerstückelten Leiche auf und leidet an Amnesie («Lost Highway»). Für den plötzlichen Gedächtnisverlust von Hubs Protagonisten scheint es keinen ersichtlichen Auslöser zu geben. Er findet sich in einem Krankenhaus wieder. Zumindest kann man das aus der Anwesenheit einer jungen Krankenschwester schließen, die sich liebevoll um ihn kümmert.
Immer wieder erhält Paulmann Besuch von drei Personen, die behaupten, seine Frau, sein Vater und sein ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 150
von Irma Dohn
Der Wunsch, einen eigenen Tod zu haben, wird immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie ein eigenes Leben. Man stirbt, wie es gerade kommt; man stirbt den Tod, der zu der Krankheit gehört, die man hat (denn seit man alle Krankheiten kennt, weiß man auch, dass die verschiedenen letalen Abschlüsse zu den Krankheiten gehören und nicht zu den...
… der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit der unsere 39 Kritiker in diesem Jahr gleich vier Theater aus Hauptstadt, Nord, Süd und Ost, A- und B-Liga zum Theater des Jahres erkoren. Kopf an Kopf mit je fünf Stimmen laufen ein: Bernd Wilms’ kulturpolitisch heftig umkämpftes und schlussendlich wiedererrungenes Deutsches Theater in Berlin, Frank Baumbauers Münchner...
Eines Tages hatte Gott Lust auf ein Festspiel. Es sollte etwas sehr Üppiges sein mit vielen Königen, Engeln, Hirten, Schafen und einer Sturzgeburt in einem Stall. Doch als er alle möglichen Tier- und Menschendarsteller zusammengetrommelt hatte, wollten die Engel gar keine Engel sein, sondern sagten immer: «Gelobt sei der Herr: Ficken ist geil!», und Maria sang:...
