In Legitimationsnöten
Sie feiern Galas und ihre Sprösslinge, sie tragen Designeranzüge, puderrosa Applikationen, schul -terfreie Kleider und lange silberne Handschuhe. Sie lassen Luftparaden abhalten, Gala-Empfänge ausrichten und die Pferde Pirouetten tanzen.
Sie grüßen vom Balkon, fahren in einer goldenen Kutsche vor, zeigen Würde und manchmal sogar – für einen guten Zweck – Mitgefühl: die Königlichen und die Adligen, die Thronfolger und die Prinzessinnen, kurz: die «Royals».
Während ihnen im Fernsehen längst die eine oder andere Serie gewidmet ist, bewohnen sie die Theaterbühnen vor allem als machtgierige Mörder vergangener Jahrhunderte. Zwar garantieren live übertragene Krönungen und Beerdigungen immer noch millionenstarke Einschaltquoten, doch gesellschaftspolitisch hat der Adel längst an Einfluss verloren. Er ist in so manche Legitimationsnöte geraten, streckt sich mühsam in den Spagat zwischen Tradition und Moderne, Muskelzerrungen inklusive.
In Bremen hat Felix Krakau mit seinem von ihm selbst uraufgeführten Stück «Royals» nun eine zeitgenössische Bestandsaufnahme versucht. Dort, auf der kleinen Bühne des Hauses, stellt sich eine (fiktive) Königsfamilie vor und aus. Selbstbewusst posiert sie in ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Katrin Ullmann
Zu den Hochrisikoeinsätzen der modernen Mutter zählt zweifellos der Erwerb von Outfits für die jugendliche Tochter. Zumal ohne deren Wissen und Placet. «Ein Kleid?», fragt daher Wendla ihre Mutter und streckt ein, zugegeben, mutig bedrucktes Stück Stoff in die Höhe. Soraya Bouabsa, Hauptdarstellerin in der Karlsruher Wedekind-Überschreibung «Spring Awakening»,...
Jeden Abend werden die Freigelassenen in einer knallharten Inszenierung, die noch erbarmungsloser werden wird, plötzlich als Individuen sichtbar. Zwei Jeeps fahren – meistens mit Nerven zerreißender Verspätung – aus der Finsternis an karg beleuchtete öffentlich Pätze im Gaza-Streifen, wo ein wütender Mob sie erwartet. Auftritt der Chargen: die maskierten...
Da stehen sie also an der Rampe, ätzen über die mediale «Jedermann»-Aufregung, über «Sebastian» und seine Chat-Egomanie – unschwer als österreichischer Ex-Kanzler erkennbar, der wegen mutmaßlichen Falschaussagen vor Gericht steht –, die Koks-Partie bei Nobel-Caterer Do & Co und Burgtheaterdirektor «Martin K.», der ohnehin nie da sei. Im Original findet man diese...
