Forever verwirrt

Katharina Stoll & Ensemble «Spring Awakening» (U) am Staatstheater Karlsruhe

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Zu den Hochrisikoeinsätzen der modernen Mutter zählt zweifellos der Erwerb von Outfits für die jugendliche Tochter. Zumal ohne deren Wissen und Placet. «Ein Kleid?», fragt daher Wendla ihre Mutter und streckt ein, zugegeben, mutig bedrucktes Stück Stoff in die Höhe. Soraya Bouabsa, Hauptdarstellerin in der Karlsruher Wedekind-Überschreibung «Spring Awakening», trägt dabei jenen Ausdruck von genervter Entgeisterung im Gesicht, den Teenager gern mit Besonnenheit verwechseln. Ein Kleid, ja.

Halt eines, das die Sextherapeutin Lulu anstelle ihrer Tochter wählen würde, um als bunter Vogel die nächste Party zu crashen. Nur: Wendla liebt es nicht aufzufallen. Wendla liebt Beigetöne.

Soweit die Kluft zwischen den Generationen, wie sie sich rund 130 Jahre nach Wedekinds Spielvorlage im Studio des Staatstheaters auftut. Die sexuelle Befreiung ist verblüht, und zwar ohne Folgen für das «Frühlings Erwachen» der heute Heranwachsenden. Probleme und deren Komplexe haben sich verschoben, nicht in Luft aufgelöst. Katharina Stoll, bekannt auch von ihrer Arbeit im Kollektiv Glossy Pain, hat die Uraufführung ihres mit dem Karlsruher Ensemble verfassten Stücks selbst inszeniert. Das Setting: Lulus ...

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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter

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