Forever verwirrt
Zu den Hochrisikoeinsätzen der modernen Mutter zählt zweifellos der Erwerb von Outfits für die jugendliche Tochter. Zumal ohne deren Wissen und Placet. «Ein Kleid?», fragt daher Wendla ihre Mutter und streckt ein, zugegeben, mutig bedrucktes Stück Stoff in die Höhe. Soraya Bouabsa, Hauptdarstellerin in der Karlsruher Wedekind-Überschreibung «Spring Awakening», trägt dabei jenen Ausdruck von genervter Entgeisterung im Gesicht, den Teenager gern mit Besonnenheit verwechseln. Ein Kleid, ja.
Halt eines, das die Sextherapeutin Lulu anstelle ihrer Tochter wählen würde, um als bunter Vogel die nächste Party zu crashen. Nur: Wendla liebt es nicht aufzufallen. Wendla liebt Beigetöne.
Soweit die Kluft zwischen den Generationen, wie sie sich rund 130 Jahre nach Wedekinds Spielvorlage im Studio des Staatstheaters auftut. Die sexuelle Befreiung ist verblüht, und zwar ohne Folgen für das «Frühlings Erwachen» der heute Heranwachsenden. Probleme und deren Komplexe haben sich verschoben, nicht in Luft aufgelöst. Katharina Stoll, bekannt auch von ihrer Arbeit im Kollektiv Glossy Pain, hat die Uraufführung ihres mit dem Karlsruher Ensemble verfassten Stücks selbst inszeniert. Das Setting: Lulus ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
Was ist, wenn die Maschine so klug wird, dass sie zwar in der Realität nicht agieren, aber mit Menschen so gut interagieren kann, dass sie sie manipulieren kann, bestimmte Dinge zu tun?» Die Frage stellt der Schauspieler und Theaterwissenschaftler Gunter Lösel. Er stellt sie auf der Bühne: Lösel ist Theatermacher und Theaterforscher. Als Schauspieler beschäftigt er...
Alles ziemlich pink, aber rosig geht’s nicht zu an diesem Abend. Ängste werden getriggert. Vor den Folgen des Klimawandels. Alles auch ziemlich apokalyptisch also. Ein pinkes Haus in Schieflage, mitten im Waldbrandgebiet, der Pool leer. Es qualmt, Autoinnereien verteilen sich auf der Bühne des Studios Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters, wo jetzt Svenja Viola...
2001 lernte ich Maria Szilágyi in Budapest kennen, wo sie eine bunte Truppe internationaler Kurator:innen und Theaterkritiker:innen quer durch Budapest und mit dem Bus bis in die südungarische Kleinstadt Kaposvar lotste. Innerhalb von vier Tagen verschaffte uns die umtriebige Chefin des biennalen Kortars Drama Festival einen Überblick über die wichtigsten...
