Allein am Klavier
Da stehen sie also an der Rampe, ätzen über die mediale «Jedermann»-Aufregung, über «Sebastian» und seine Chat-Egomanie – unschwer als österreichischer Ex-Kanzler erkennbar, der wegen mutmaßlichen Falschaussagen vor Gericht steht –, die Koks-Partie bei Nobel-Caterer Do & Co und Burgtheaterdirektor «Martin K.», der ohnehin nie da sei.
Im Original findet man diese Sätze natürlich nicht: 1666 hat Molière seine Komödie «Der Menschenfeind» geschrieben, die vom Tugendwächter Alceste handelt, der allen gnadenlos die Wahrheit ins Gesicht schmettert, aber sich dann ausgerechnet in die Flirt-Weltmeisterin Célimène verliebt. Martin Zehetgruber hat am Burgtheater riesige Plexiglaswände gebaut, die bei richtiger Beleuchtung das Publikum im Saal spiegeln. Geht das Licht aus, verwandelt sich die Bühne in eine dunkle, unwirtliche Landschaft, in der sich niemand verstecken kann.
Keine Frage, es geht in der Inszenierung von Hausherr Martin Kušej um uns – um die verkommene, korrupte Wiener Bussi-Bussi-Gesellschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus ist: vorneraus schmierig, hinter dem Rücken brutal. Eine Lesart, die durchaus passend scheint zur letzten Saison des scheidenden Burg-Chefs, der das ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Karin Cerny
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