In der Zuspitzungsmaschine
Barbara Burckhardt Wir sitzen hier zu viert, zwei Autoren, eine Dramaturgin, ein Regisseur: Das ist die Kernzelle des Writers’ Room, der gerade am Essener Schauspiel nach Shakespeares «Othello» «Das Prinzip Jago» entwickelt. Ulf Schmidt, Sie haben schon vor zweieinhalb Jahren auf der Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft die Idee eines Writers’ Room zur Produktion von Theaterstücken in die Welt gesetzt. Sie sind selbst Autor von Theaterstücken, zuletzt «Der Marienthaler Dachs».
War es das Ungenügen an der einsamen Arbeit am Schreibtisch, das Sie zu dieser Idee getrieben hat, die ja ursprünglich aus Amerika und aus der Produktion von Fernsehserien stammt?
Ulf Schmidt Es gab ja schon länger diese öffentliche, sehr kontrovers geführte Diskussion um Autorenschaft im Theater, nicht zuletzt angeheizt durch Thomas Oberender und die Umdefinition des Stückemarkts beim Berliner Theatertreffen: Ist es der Textschreiber, ist es der Regisseur, der als Autor eines Theaterabends zu betrachten ist? Ich fand diese Frontalstellung absurd und wenig zielführend und habe mich gefragt, warum man sich nicht einfach zusammen hinsetzt. Ich kenne ja die Situation des Theaterautors, der eine Idee hat und ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Writer's Room, Seite 46
von Barbara Burckhardt
Als Katherine Anne Porters Roman «Das Narrenschiff» 1962 erschien, wurde er in den USA als Jahrhundertwerk bejubelt und bald auf Platz 1 der Bestsellerliste geführt. In Deutschland hingegen wurde der Erfolg des Buchs schmallippig aufgenommen; Kritiker warfen der texanischen Autorin (1890–1980) antideutsche Ressentiments vor. Tatsächlich werden die meisten Deutschen...
«ALL I SEE» – alles, was ich sehe – steht auf dem Szenenvorhang. Zum Auftakt fangen die Buchstaben nervös zu blinken an. Was sehe ich, was kann ich erkennen, werde ich als der erkannt, der ich bin? Im Verlauf seiner sehr freien «Iphigenie»-Adaption auf der Kammerspielbühne des Frankfurter Schauspiels lässt Ersan Mondtag ein paar Mal den Zusammenhang von Erkenntnis...
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
