Traurige Roboter
Natürlich ist ein Gespräch über Grenzen ein Gespräch über Politik, zumal in Zeiten, in denen sich die Festung Europa abschottet. Und wenn András Siebold, Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg, seine kuratorische Aufgabe als das Einreißen von Grenzen definiert, dann darf man das als politisches Statement lesen, auch wenn es gar nicht primär um Nationalitätsgrenzen geht, sondern um die Grenzen zwischen Stilen, Medien, Genres, Denkweisen.
Die sind für den Festivalchef tatsächlich ein Problem – wirklich klar ist beim Sommerfestival nie, ob das Gezeigte jetzt Tanz ist, Theater oder etwas dazwischen. (Siebold behilft sich, indem er sein Programm als Pop labelt, was allerdings dadurch erschwert wird, dass das Populäre hier meist eindeutig fehlt.)
Aber Siebold ist auch ein Freund des Um-die-Ecke-Denkens, und deswegen kann er vom Schillern zwischen Genrezuordnungen sprechen und Frontex meinen. Und wenn er als gemeinsamen Nenner des Sommerfestivals den forcierten Perspektivwechsel ausmacht, dann ist das auch ein Kommentar zum europäischen Grenzregime. Offensichtlich wird dieser Perspektivwechsel, wenn überall in Hamburg Werbung fürs Sommerfestival plakatiert wird, auf der ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Falk Schreiber
Neue Intendanten in London und erste Ergebnisse: Die Theaterlandschaft verändert sich sanft, aber deutlich; siehe Annie Bakers «The Flick» am National Theatre
Sandro Lunin hat das Zürcher Theaterspektakel seit 2007 zu einer wichtigen Adresse gemacht, gerade auch für Gastspiele aus Afrika. Ein Blick auf das Programm dieses Sommers
Ferdinand Schmalz sucht und...
«ALL I SEE» – alles, was ich sehe – steht auf dem Szenenvorhang. Zum Auftakt fangen die Buchstaben nervös zu blinken an. Was sehe ich, was kann ich erkennen, werde ich als der erkannt, der ich bin? Im Verlauf seiner sehr freien «Iphigenie»-Adaption auf der Kammerspielbühne des Frankfurter Schauspiels lässt Ersan Mondtag ein paar Mal den Zusammenhang von Erkenntnis...
Die Steuerberaterin Hanne Blomberg hat auf dem Laptop ihrer 15-jährigen Tochter ein alarmierendes Video gefunden: Marie und ihre Freunde beim Flaschendrehen; bereits hosenlos. «Ich finde, alle Eltern haben ein Recht darauf, zeitgleich informiert zu werden», agitiert Hanne ihren Gatten Michael im Oberlehrerinnen-Tonfall. Kurz darauf sitzen die betroffenen...
