Traurige Roboter

«The Greatest Show on Earth» und andere Grenzüberschreitungen beim Internationalen Sommerfestival Hamburg

Theater heute - Logo

Natürlich ist ein Gespräch über Grenzen ein Gespräch über Politik, zumal in Zeiten, in denen sich die Festung Europa abschottet. Und wenn András Siebold, Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg, seine kuratorische Aufgabe als das Einreißen von Grenzen definiert, dann darf man das als politisches Statement lesen, auch wenn es gar nicht primär um Nationalitätsgrenzen geht, sondern um die Grenzen zwischen Stilen, Medien, Genres, Denkweisen.

Die sind für den Festivalchef tatsächlich ein Problem – wirklich klar ist beim Sommerfestival nie, ob das Gezeigte jetzt Tanz ist, Theater oder etwas dazwischen. (Siebold behilft sich, indem er sein Programm als Pop labelt, was allerdings dadurch erschwert wird, dass das Populäre hier meist eindeutig fehlt.)

Aber Siebold ist auch ein Freund des Um-die-Ecke-Denkens, und deswegen kann er vom Schillern zwischen Genrezuordnungen sprechen und Frontex meinen. Und wenn er als gemeinsamen Nenner des Sommerfestivals den forcierten Perspektivwechsel ausmacht, dann ist das auch ein Kommentar zum europäischen Grenzregime. Offensichtlich wird dieser Perspektivwechsel, wenn überall in Hamburg Werbung fürs Sommerfestival plakatiert wird, auf der ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Kino: Eine ausgesucht eigenwillige Sippe

Wie ihr Name bereits nahelegt, sind die Wunderlichs eine Familie mit betont hohem Unterhaltungsfaktor. Mutter Liliane (Hannelore Elsner) leistet sich eine ausgereifte Altershypochondrie und traktiert ihre Tochter Mimi (Katharina Schüttler) mit melodramatischen Tumordiagnosen. Dagegen wirkt das Krankheitsbild von Mimis Vater Walter (Peter Simonischek) geradezu...

Vorschau · Impressum

Neue Intendanten in London und erste Ergebnisse: Die Theaterlandschaft verändert sich sanft, aber deutlich; siehe Annie Bakers «The Flick» am National Theatre

Sandro Lunin hat das Zürcher Theater­spek­takel seit 2007 zu einer wichtigen Adresse gemacht, gerade auch für Gastspiele aus Afrika. Ein Blick auf das Programm dieses Sommers


Ferdinand Schmalz sucht und...

Die Langstrecken- Künstler

Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Hein­rich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb...