Im Zwischenraum
In seiner Autobiografie schreibt der britisch-jüdische Neurologe Oliver Sacks, er habe es sein Lebtag schwer gehabt mit den drei B’s: Bonding, Belonging and Believing, also mit Bindung, Zugehörigkeit und Zuversicht.
Diese seelische Grundausstattung, die erfolgreiche Einpassung ins emotionale und soziale Gefüge nicht verhindern muss, würde ihn prädestinieren, Mitglied der holländisch-jüdischen Familien von Lea und Nico zu sein, die Judith Herzberg Hochzeit feiern lässt in ihrem Stück, dem ersten, 1982 uraufgeführten der Trilogie mit «Heftgarn» und, 2002 abschließend, mit «Simon».
Wie soll es auch bestellt sein um diese Trias, wenn Erbe und Erinnerung lasten? Die Eltern-Generation – es sind die 1970er Jahre – hat der Holocaust zutiefst geprägt. Eine Gnade der späten Geburt für die Nachkommen gibt es nicht. Lea wurde als Vierjährige zur Pflegemutter Riet gegeben, bevor die Nazis die Eltern deportierten. Nicos Mutter und Bruder kamen in den Lagern um.
Aber ist heute nicht ein fröhlicher Tag? Das ganze Programm, detailgenau nachgestellt: Minis, Feincord, Schlaghosen, Koteletten und toupiertes Haar. Eine Leinwand wird hochgezogen, um die Hochzeiter auf Super-8 bei ihrer Ankunft im ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Andreas Wilink
Man sollte mal wieder Hannah Arendt lesen. Danke, Programmheft des Hamburger Schauspielhauses. In dem stehen zur Begleitung von Karin Henkels Dostojewski-Inszenierung «Schuld und Sühne» Auszüge aus einer Vorlesung, die sie 1965 in New York hielt: über die Notwendigkeit des Selbstgesprächs zur Konstituierung als Person. Nur wer mit dem Anderen in sich selbst...
Die Psychiatrie als Spiegel der Gesellschaft, das ist das aufklärerisch kämpferische Grundmotiv in «März» von Heinar Kipphardt. Kipphardt weiß, wovon er schreibt Anfang der 50er Jahre hat er selbst als Psychiater an der Charité gearbeitet. Angelehnt an die reale Geschichte des Psychiatriepatienten Ernst Herbeck drehte er 1975 den preisgekrönten Fernsehfilm «Leben...
Zugelassen zum Wettbewerb für den Autorenpreis waren sechs noch nicht uraufgeführte Texte. Dass die Jury am Ende feststellen konnte, die Qualität sei dieses Jahr außergewöhnlich hoch gewesen, hatte sicherlich damit zu tun, dass es auf dem Markt der neuen Stücke starke und schwache Jahrgänge gibt. Die Gründe für die lobende Erwähnung sind aber vielfältig. Zum einen...
