Im Weltzustand
Die Frage trifft uns an einer empfindlichen Stelle. Carl Schmitts stark strapazierte Definition der Souveränität spielt im neuen Stück von Rainald Goetz über die Zerstörung demokratischer Strukturen, an dessen Uraufführung wir probieren, eine eher fragwürdige Rolle. Die Formel scheint mir auch in dieser Ummünzung auf die Zukunft hin nicht zutreffend, trotz ihrer Suggestionskraft.
Sie zielt auf Vereinfachung, auch auf die Figur des starken Mannes, Diktators, Imperators, aber die Situation jetzt, während und nach Corona, halte ich für sehr komplex – umso mehr, je intensiver ich mich mit Notwendigkeiten und Vorschriften, praktischen Lösungen und hypothetischen Entwicklungen auseinandersetze. Und was heißt eigentlich «nach»? Haben wir schon «nach» oder sind wir noch «drin»? Hat die Zukunft schon begonnen, bzw. wann fängt sie denn an? Tatsächlich ist ja auch diese nahe Zukunft sehr offen, unklar ist, was sich amtlich ändern muss, was Zuschauer und Macher zu akzeptieren bereit sein werden und wie die Lust auf Theater in dünnerer Luft sich halten wird. Viele hoffen auf einen Impfstoff oder einen Wirkstoff, der das Gespenst Corona vaporisiert, damit es sich in Luft auflöst, irgendwann, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 50
von Karin Beier
Die Frage, die ich in den letzten Wochen der Pandemie am häufigsten von befreundeten Theatermacher*innen gehört habe, war die Sinnfrage. Sie war uns sonst nicht eigen. Theatermenschen wissen meistens, was zu tun ist: Theater machen. Und oft wissen sie sogar, warum: weil Theater einen Unterschied macht. Natürlich gibt es auch in unserer Branche – wie in jeder...
Um in Corona-Zeiten Julia Oschatz, die Bühnenbildnerin des Jahres, zu treffen, muss man sich auf den Weg machen. Die 1970 in Darmstadt geborene, in Berlin lebende Künstlerin hat sich zur Zeit in ihr Atelier zurückgezogen, 100 km Landstraße von Berlin entfernt, in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Hinterm Elbdamm grasen Pferde und weiße Kühe, Enten quaken,...
Sie sind dreizehn. Sie sind Tänzerinnen. Sie sind ambitioniert. Sie sind Freundinnen. Sie sind Konkurrentinnen. Sie entdecken ihren Körper, und ihr Körper entdeckt sie. Sie sind voller Kraft. Sie wollen siegen. Zusammen sind sie eine kleine Armee. Zuzu, Ashlee, Amina, Conny, Sofia, Maeve und Luke. Sie wollen die Welt verändern, und sie könnten es; ob es gelingt –...
