Im Weltzustand

Zur DNA von Menschen gehört es, sich zu versammeln

Die Frage trifft uns an einer empfindlichen Stelle. Carl Schmitts stark strapazierte Definition der Souveränität spielt im neuen Stück von Rainald Goetz über die Zerstörung demokratischer Strukturen, an dessen Uraufführung wir probieren, eine eher fragwürdige Rolle. Die Formel scheint mir auch in dieser Ummünzung auf die Zukunft hin nicht zutreffend, trotz ihrer Suggestionskraft.

Sie zielt auf Vereinfachung, auch auf die Figur des starken Mannes, Diktators, Imperators, aber die Situation jetzt, während und nach Corona, halte ich für sehr komplex – umso mehr, je intensiver ich mich mit Notwendig­keiten und Vorschriften, praktischen Lösungen und hypothetischen Entwicklungen auseinandersetze. Und was heißt eigentlich «nach»? Haben wir schon «nach» oder sind wir noch «drin»? Hat die Zukunft schon begonnen, bzw. wann fängt sie denn an? Tatsächlich ist ja auch diese nahe Zukunft sehr offen, unklar ist, was sich amtlich ändern muss, was Zuschauer und Macher zu akzeptieren bereit sein werden und wie die Lust auf Theater in dünnerer Luft sich halten wird. Viele hoffen auf einen Impfstoff oder einen Wirkstoff, der das Gespenst Corona vaporisiert, damit es sich in Luft auflöst, irgendwann, ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 50
von Karin Beier