«Ich habe eine Abneigung gegen Perfektion»

Die Bühnenbildnerin des Jahres Julia Oschatz ist eine Wanderin zwischen Bildender Kunst und Theater. Ein Ateliergespräch über Autonomie und Teamarbeit, wie Künstlichkeit den Blick auf die Realität schärfen kann und die Freude am Zitat

Um in Corona-Zeiten Julia Oschatz, die Bühnenbildnerin des Jahres, zu treffen, muss man sich auf den Weg machen. Die 1970 in Darmstadt geborene, in Berlin lebende Künstlerin hat sich zur Zeit in ihr Atelier zurückgezogen, 100 km Landstraße von Berlin entfernt, in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Hinterm Elbdamm grasen Pferde und weiße Kühe, Enten quaken, Störche stolzie­ren, wilder Mohn blüht. Vor ihrem Haus, einer ehemaligen Arztpraxis, die sie mit ihrem Partner, ebenfalls Künstler, in ein verwinkeltes Atelierhaus umgebaut hat, bricht zartes Puschel-Unkraut aus dem Beton.

Ein Haus der Kunst, von außen unspektakulär, innen voll mit Julia Oschatz’ charakteristischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen.

Die schmale Frau mit den kurzen Haaren, die nicht fotografiert werden will, bereitet gerade eine Ausstellung in Berlin im August vor, in der sie sich intensiv mit Zeit und Endlichkeit beschäftigt. Überall hängen sie an den Wänden, Sätze zum Tag, zum Moment, zum Heute. Und andere Lebenssätze, in ihrer charakteristischen schwarzen Tuschschrift notiert: «Vollkommenheit ist für Anfänger. (Play, what you can’t play.)» «Es soll keine Antwort gegeben werden. Beschluss zu beschließen, nichts zu ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 88
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