«Ich habe eine Abneigung gegen Perfektion»
Um in Corona-Zeiten Julia Oschatz, die Bühnenbildnerin des Jahres, zu treffen, muss man sich auf den Weg machen. Die 1970 in Darmstadt geborene, in Berlin lebende Künstlerin hat sich zur Zeit in ihr Atelier zurückgezogen, 100 km Landstraße von Berlin entfernt, in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Hinterm Elbdamm grasen Pferde und weiße Kühe, Enten quaken, Störche stolzieren, wilder Mohn blüht. Vor ihrem Haus, einer ehemaligen Arztpraxis, die sie mit ihrem Partner, ebenfalls Künstler, in ein verwinkeltes Atelierhaus umgebaut hat, bricht zartes Puschel-Unkraut aus dem Beton.
Ein Haus der Kunst, von außen unspektakulär, innen voll mit Julia Oschatz’ charakteristischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen.
Die schmale Frau mit den kurzen Haaren, die nicht fotografiert werden will, bereitet gerade eine Ausstellung in Berlin im August vor, in der sie sich intensiv mit Zeit und Endlichkeit beschäftigt. Überall hängen sie an den Wänden, Sätze zum Tag, zum Moment, zum Heute. Und andere Lebenssätze, in ihrer charakteristischen schwarzen Tuschschrift notiert: «Vollkommenheit ist für Anfänger. (Play, what you can’t play.)» «Es soll keine Antwort gegeben werden. Beschluss zu beschließen, nichts zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 88
von
Ausgerechnet die Balkone, diese ja auch theaterhistorisch mit einiger Bedeutung aufgeladenen Luftorte, ob real in Shakespeares Verona oder als Metapher in der ungenannten Stadt bei Genet, sind während der Pandemie, in der wir uns noch immer befinden, zu Vorbauten des Unbehagens geworden. Von Balkonen aus wurde in vielen Ländern jenen prekarisierten Arbeiter*innen...
eine kleine shutdown-chaconne
fürs große leere burgtheater
willkommen in der irrelevanz
und
viel spaß
musik
tomaso antonio vitali – chaconne in g minor
fka twigs – home with you
johann jakob froberger – suite no 12 in C major (lamento sopra la
dolorosa oerdita della real msta di ferdinando iv)
//
hinten ein paar geigen
die einfach keine ruhe geben wollen
zwei drei...
Theater heute Was macht Corona mit unserer Gesellschaft, zumindest soweit sich das jetzt schon absehen lässt? Vielleicht ist es sinnvoll, noch einmal ein paar wesentliche Entwicklungen vor allem seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und deren Folgen aufzurufen. Zentrale Stichworte dafür wären Globalisierung, Postindustrialisierung und Digitalisierung. Was...
