Im virtuellen Puppenhaus
«Warte, ich mach dir die Tür auf.» – «Danke, soll ich die Granate werfen?» – «Ich bitte darum.» – (dumpfe Explosion, Rauch) – «Fantastisch!», selten hat man so höfliche Spezialkräfte gesehen. Es sind Max Czollek und Friedrich Kirschner, die da bis an die Zähne bewaffnet, plaudernd und irritierend professionell ein finsteres Anwesen nach militanten Neonazis durchkämmen.
Kirschner leitet den Studiengang «Spiel und Objekt» an der Hochschule Ernst Busch und moderiert im Team mit der Künstlerin und Autorin Sarah Fartuun Heinze sowie der Kulturund Medienpädagogin Christiane Schwinge die zweite Staffel der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft (dg). Czollek ist einer von über 20 Gastspieler*innen.
Wer den Konferenz-Titel «Let’s Play» als Aufforderung zum Mitmachen verstanden hat, wird erst mal enttäuscht: «Let’s Play» ist schlicht der Fachbegriff für live kommentierte Computerspiel-Sessions – ein feuilletonistisch unterbelichtetes Genre. Hochleistungsgamer*innen ziehen damit auf youTube oder twitch.tv zehntausende von Fans in ihren Bann, jagen Monster in die Luft oder fahren Autorennen und fachsimpeln dabei. Taugt die Kombination aus Computerspiel und Talk als Konferenzformat? ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Cornelia Fiedler
Knarr, quietsch. Die Tür klingt wie seit 100 Jahren nicht geölt, das Licht schummert nur düster durch die klapprige Dekoration (Robert Kraatz). Gargas Leihbibliothek und die «Dickicht der Städte»-Bühne sieht aus wie eine rumpelige Gespenster-Kammer mit unübersichtlichen Räumen, Gängen und Nischen. Nicht minder schemenhaft seine Bewohner: Glatte Masken nehmen jeden...
«Jetzt ist schon wieder was passiert» – mit diesem mürrischen Satz leitet Wolf Haas seine Krimis ein, in denen ein in seiner Gemütlichkeit unfein gestörter Kommissar Brenner den blutigsten Verbrechen nachforscht. Brenner, schon der Name ist ein Witz, recherchiert mit einer Mischung aus Milieunähe, Faulheit und irgendwann dann doch noch einsetzender professioneller...
Die Produktion von Kunst und Kultur und ihre Aufbewahrung in Museen und Bibliotheken kostet Energie – das ist nicht neu. Neu ist, dass es zunehmend die Öffentlichkeit interessiert, wie viel Energie dafür verwendet wird und ob diese Energie in Relation zum Output steht. Die Pandemie hat das Denken verändert, das ist jetzt schon absehbar. Müssen so viele Tourneen und...
