Im Sturmschritt der Geschichte

Thomas Köck verwirbelt die Zeiten. Über seine neuen Stücke «dritte republik», uraufgeführt in Hamburg, und «atlas» (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei), demnächst in Leipzig

Kein Wunder, dass die Landvermesserin aus Thomas Köcks Stück «dritte republik» sich fragt, warum sie nicht einfach in ihrem Bett liegengeblieben ist, statt diesen «hanebüchenen Auftrag» anzunehmen. Sie soll die Landesgrenzen neu vermessen. Aber das Schneegestöber, das ihr ohne Unterlass ins Gesicht bläst und das sie bald als «beschissensten aller Jahrhundertstürme» identifiziert, macht jedweden Auftragserfüllungsversuch zum aussichtslosen Unterfangen.

«Was für eine höchst zerfickte Drecksscheiße», bringt Barbara Nüsse als adäquat abgekühlte Geodätin das besagte Jobprofil am Hamburger Thalia in der Gaußstraße auf den Punkt. Und zwar in einem Tonfall, der sich erfreulicherweise nicht aus diffusen Emotionsausbrüchen, sondern aus messerscharfer Status-quo-Analyse speist. 

Zwei Kafka-Figuren – der Landvermesser aus dem Romanfragment «Das Schloss» und der titelgebende Mediziner aus der Erzählung «Ein Landarzt» – standen Pate für diese buchstäblich gebeutelte Protagonistin: Redliche Auftragnehmer mit Berufsethos, deren Jobs sich plötzlich in Zuständigkeitsvakuen auflösen oder unter anderweitigen mysteriösen Umständen zu Missions impossible zerbröseln. Umständen freilich, die den ...

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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Christine Wahl