Im Strom der Zeit

Johan Simons bringt Elena Ferrantes Roman-Tetralogie «Meine geniale Freundin» auf die Bühne des Bochumer Schauspielhauses, und Thomas Dannemann inszeniert Erich Kästners «Fabian»-Roman

Theater heute - Logo

Zwei Tische auf der Bühne, alte Schultische. Voll mit Büchern und einer Schreibmaschine der eine, voll mit Schuhen, Leder und Werkzeug der andere. Von einander abgewandt sitzen davor, an entgegengesetzten Punkten der Peripherie der Drehbühne, Lenú und Lila, die zwei Freundinnen aus Grundschultagen. Wer ist hier die geniale? Auch in Elena Ferrantes vierbändigem Romanzyklus («L’amica geniale») bleibt das offen. Jede von beiden hält die andere dafür. Freundschaft und Rivalität, gegenseitige Unterstützung und gegenseitiges Übertrumpfen, lebenslang.

Nicht nur ein ganzes Leben lang, sondern zwei, das macht den Reiz dieses voluminösen Epos aus, das nicht nur 2500 Seiten füllt, sondern auch vier Staffeln à acht Folgen einer Filmserie. Nun hat Johan Simons daraus einen sechsstündigen Theaterabend gemacht. Ein Marathon als Sprint durch zwei Lebensläufe.

Lenú und Lila kommen aus demselben ärmlichen Stadtteil von Neapel. Die Romane erzählen ihre Geschichte von ihrer Kindheit in den frühen Fünfziger Jahren bis nach 2000. Lenú steigt durch Bildung auf zur gefeierten Romanautorin, Lila bringt es ohne Schulbildung bis zur Leiterin einer Softwarefirma. Die «neapo -litanische Saga» genannte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Impressum Theater heute 3/25

Pläne der Redaktion

Der Berliner Freien Szene geht es nach der Sparrunde von Kultursenator Chialo bei weiter steigenden Mieten und Inflationsdruck an die Existenz. Hinterlässt das auch künstlerisch Spuren? Ein Rundgang

Anne Stein, seit sechs Jahren im Ensemble des Münchner Volkstheaters, nennt als Lieblingskleidungsstück ihren Rucksack und als wichtiges Erbstück...

Von Hexen und Feen

Am Ende lösen sich die Konturen der drei «Staubfrauen» auf in einer schier endlosen Liste von gewaltsam getö -teten Frauen. Manchmal drei oder vier pro Monat, allein in der Schweiz. Im Video fließen die Namen der Frauen über die an die Wand gekauerten Darstellerinnen, die Alter, die sie erreicht haben, die Schweizer Dörfer und Städte, in denen sie gelebt haben....

König für einen Tag

Von allen Bühnen der Welt ist die des Gedächtnisses wohl die komplexeste. Ein ewiges Drama aus Fakten, Gefühlen und vergessenen Proben, in dem Erinnerung die Hauptrolle spielt – manchmal tragisch, oft komisch, immer subjektiv. Doch wie unterscheidet sich die nüchterne Regie des Gedächtnisses von der leidenschaftlichen Impro -visation der Erinnerung? Und was hat...