Im Strom der Zeit
Zwei Tische auf der Bühne, alte Schultische. Voll mit Büchern und einer Schreibmaschine der eine, voll mit Schuhen, Leder und Werkzeug der andere. Von einander abgewandt sitzen davor, an entgegengesetzten Punkten der Peripherie der Drehbühne, Lenú und Lila, die zwei Freundinnen aus Grundschultagen. Wer ist hier die geniale? Auch in Elena Ferrantes vierbändigem Romanzyklus («L’amica geniale») bleibt das offen. Jede von beiden hält die andere dafür. Freundschaft und Rivalität, gegenseitige Unterstützung und gegenseitiges Übertrumpfen, lebenslang.
Nicht nur ein ganzes Leben lang, sondern zwei, das macht den Reiz dieses voluminösen Epos aus, das nicht nur 2500 Seiten füllt, sondern auch vier Staffeln à acht Folgen einer Filmserie. Nun hat Johan Simons daraus einen sechsstündigen Theaterabend gemacht. Ein Marathon als Sprint durch zwei Lebensläufe.
Lenú und Lila kommen aus demselben ärmlichen Stadtteil von Neapel. Die Romane erzählen ihre Geschichte von ihrer Kindheit in den frühen Fünfziger Jahren bis nach 2000. Lenú steigt durch Bildung auf zur gefeierten Romanautorin, Lila bringt es ohne Schulbildung bis zur Leiterin einer Softwarefirma. Die «neapo -litanische Saga» genannte ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer
Kurz vor Schluss versuchen beide Berliner Inszenierungen noch etwas rumzureißen. In Georges Bizets «Carmen» in der Regie von Christian Weise wendet sich Lindy Larssons stolze Romni, gerade noch vor die Wahl gestellt, ihr freies Leben aufzugeben oder erstochen zu werden, direkt ans Publikum und ermutigt es mit Erfolg, selbst das Lied des Toreros Escamillo...
AMSTERDAM, VAN GOGH MUSEUM
ab 7.3., Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind
Erstmals werden alle Werke Anselm Kiefers aus der Sammlung des Stedelijk Museums gemeinsam gezeigt. Im Van Gogh Museum stehen sie dabei im Dialog mit den Gemälden von Van Gogh.
BERLIN, HOCHSCHULE FÜR SCHAUSPIELKUNST ERNST BUSCH
ab 3.3., Black in Berlin 2020–2024
Arbeiten des Fotografen...
Eine solche Stimmung erlebt man selten im Theater. Kaum erklingen auf der Bühne die ersten Töne eines türkischen Liedes, klatscht das Publikum begeistert mit, singt, pfeift und filmt mit dem Handy. Istanbul, «ein musikalischer Abend» von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Sipal am Schauspiel Essen, schafft es, auch die Menschen zu erreichen, deren...
