Im Sozialisationsdrama
Nach ungefähr siebzig Minuten – wir bewegen uns aufs letzte Drittel von Bonn Parks «They Them Okocha» in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt zu – steht André Meyer allein auf der Bühne und beginnt zu tanzen. Er spielt Noah-Wilhelm, einen von vier Freunden, die sich in dieser Szene am unmittelbaren Übergang von der Spätpubertät zum Erwachsenenalter befinden, und hat seine Kumpels gerade in den furchteinflößenden «Blick in die Zukunft» hinein genötigt – eine Geisterbahn mit teufelskopfförmigem Eintrittsschlund, von der entsprechende Narrative im Umlauf sind.
Jetzt groovt sich Noah-Wilhelm, der diesen Geister-Schritt ins Großsein noch ein paar Augenblicke hinausgezögert hat, in eine leicht eckige, würdevoll tapsige Individualchoreografie ein, die ihn so sehr bei sich selbst wirken lässt, wie er es den ganzen Abend über noch nicht war und definitiv auch nie mehr sein wird: ein echter kleiner Menschheitsmoment.
Die Regieanweisung, die Bonn Park – gleichermaßen Autor wie Regisseur der Produk -tion – zu dieser Szene im Text notiert hat, lautet: «Noah-Wilhelm führt einen Tanz auf ganz allein. Er ist vieldeutig, und wir werden nicht schlau draus. Es könnte bedeuten, dass er böse ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
13. Ohm, Ich will keine Schokolade – Die Trude-Herr-Revue
R. Horst Johanning
AACHEN, DAS DA THEATER
6. Ashman und Griffith, Der kleine Horrorladen
R. Maren Dupont
AALEN, THEATER
8. von Horvath, Jugend ohne Gott
R. Ella Elia Anschein (Junges Theater)
15. Frisch, Rip Van Winkle
R. Fabian Eberhardt (Junges Theater)
AUGSBURG, SENSEMBLE THEATER
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Wo soll das hin? Wo gehöre ich hin? Zu welcher Stimme? Zu welchem Satz? «Is the microphone on?» Jeder, jede will heutzutage gehört werden. Mit was eigentlich? In «Signal to Noise» knabbert Forced Entertainment an dieser Verbindung von Signal und Geräusch, Sagen und Bedeuten, zerknickt und schreddert sie.
Forced Entertainment, kurz FE, fing 1984 an und wurde berühmt...
Wie ist es dem Autor Tobias Ginsburg nur gelungen, zu immer neuen rechtsextremen Männerbünden Zutritt zu erhalten, undercover, kaum verkleidet, ausgerechnet er, ein «schmächtiger Jude», wie er sich selbst im Schauspiel Köln zu Beginn auf einer großen Videoleinwand bezeichnet? Anderthalb Jahre lang hat er recherchiert, bevor sein beeindruckendes Buch «Die letzten...
