Im Sozialisationsdrama
Nach ungefähr siebzig Minuten – wir bewegen uns aufs letzte Drittel von Bonn Parks «They Them Okocha» in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt zu – steht André Meyer allein auf der Bühne und beginnt zu tanzen. Er spielt Noah-Wilhelm, einen von vier Freunden, die sich in dieser Szene am unmittelbaren Übergang von der Spätpubertät zum Erwachsenenalter befinden, und hat seine Kumpels gerade in den furchteinflößenden «Blick in die Zukunft» hinein genötigt – eine Geisterbahn mit teufelskopfförmigem Eintrittsschlund, von der entsprechende Narrative im Umlauf sind.
Jetzt groovt sich Noah-Wilhelm, der diesen Geister-Schritt ins Großsein noch ein paar Augenblicke hinausgezögert hat, in eine leicht eckige, würdevoll tapsige Individualchoreografie ein, die ihn so sehr bei sich selbst wirken lässt, wie er es den ganzen Abend über noch nicht war und definitiv auch nie mehr sein wird: ein echter kleiner Menschheitsmoment.
Die Regieanweisung, die Bonn Park – gleichermaßen Autor wie Regisseur der Produk -tion – zu dieser Szene im Text notiert hat, lautet: «Noah-Wilhelm führt einen Tanz auf ganz allein. Er ist vieldeutig, und wir werden nicht schlau draus. Es könnte bedeuten, dass er böse ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl
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