Form und Zertrümmerung
Das Wesen des Theaters besteht in der Vergröberung der Effekte, also muss man diese Effekte eben noch stärker vergröbern, sie unterstreichen, sie auf die Spitze treiben.» (Ionesco 1958) An diese Bestimmung des Theaters hat sich Johan Simons – sonst eigentlich nicht der Mann fürs Grobe – gehalten, nicht an das Verfahren der Uraufführung von Ionescos «Die kahle Sängerin» 1950, als versucht wurde, die Wirkung dadurch zu erreichen, dass man das Stück todernst wie Ibsen spielte.
Die Verspottung der Salonkomödie ist heute wirkungslos, ebenso wie die Satire auf die Sinnlosigkeit des Lebens. An die transzendentale Obdachlosigkeit des Menschen, die der Existenzialismus bejammerte, hat man sich gewöhnt. Die metaphysischen Phantomschmerzen sind verschwunden. Wir haben heute dafür andere Schmerzen. Von denen will Simons’ Inszenierung nichts wissen.
Ionesco wollte die Absurdität der menschlichen Existenz, auf einen Sinn des Lebens angewiesen zu sein, ohne ihn je finden zu können, auf die Form des Theaters übertragen, nicht nur auf den Inhalt wie in Sartres Theaterstücken. Diese Formzertrümmerung macht Ionescos Erstling heute noch spielbar, nicht irgendein Inhalt. Neue Formate will die ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Gerhard Preußer
Sehr viel haben sie sich vorgenommen – nichts weniger als eine komplett veränderte Definition dessen, was Theater sein kann und sein soll. Dafür aber muss das Theater, wie es ist, zerstört werden – zunächst als Raum: Weg mit den historischen Sälen und der Teilung von Bühne und Zuschauerraum, in Südamerika in der Regel orientiert am alten «Teatro Italiano»,...
BERLIN, GROPIUS BAU
bis 14.7., Radical Playgrounds: From Competition to Collaboration.
Internationale Künstler:innen verwandeln den Parkplatz neben dem Gropius Bau in radikale Spielräume, auf denen u.a. Florentina Holzinger, Tomás Saraceno und Céline Con-dorelli einen elfwöchigen Kunstparcours unter dem Motto «From Competition to Collaboration» gestalten. Die von...
Theaterkritik gone mad: Mitten in der Vorstellung steht ein eher junger Mann auf und beginnt, sich erst zu beschweren, dann mit den drei Darsteller:innen auf der Bühne zu diskutieren. Über das damit natürlich unterbrochene Stück, das ihn nicht hinreichend unterhält. Darüber, dass der Weg für ihn weit war, dass er sich den Abend extra frei nehmen musste, er sei...
