Im Schleudergang

Andreas Döhler ackert in Castorfs Fallada- Inszenierung «Kleiner Mann – was nun?» im Keller des Berliner Ensembles

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Menschen wie im freien Fall. So wenig Halt bot ihnen die Bühne von Aleksandar Denic selten: Offene Weite gähnt im Berliner Ensemble, eine einsame rote Fahne säumt sie hinten an der Brandmauer. Die Unterbühne schaut etwas ausstaffierter aus: Eine Waschmaschine steht dort, eine Duschkabine. Auch ein paar Dutzend Panzerräder liegen herum, echte, stählerne, von der Roten Armee hinterlassene. Heftige Geschichtszeichen. Zum Haufen gestapelt. Man kann sich darauf ausruhen, aber wohl gebettet ist man nicht.

In diesem weiten Raum zwischen den Dingen und den Zeichen prallen die Spieler aufeinander. Spieler wie Andreas Döhler. Wenn er gemeinsam mit Artemis Chalkidou eine atemlose halbe Stunde lang, verfolgt von Live-Kameras, die Unterbühne beackert, dann sieht man Menschen im Schleudergang. Nicht nur, weil die Waschmaschine eine gewisse Rolle spielt – «Bauknecht weiß, was Frauen wünschen» –, sondern weil dieses Paar tatsächlich buchstäblich umherfliegt, durch die Textwelten und den Waschküchendunst. Sie ziehen sich an und aus, sie begrabschen sich und stoßen sich weg, irgendwo zwischen Gangsterpärchen Bonnie und Clyde, Rotfrontkämpfer und Zuhälter und Hure.

Mia Pinneberg und Jachmann sind ...

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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 12
von Christian Rakow

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