Zurück zum Ganzen

... findet Hakan Savas Mican wenigstens für einen Moment oder die Länge eines Spielfilms

Theater heute - Logo

Wie man in diesen Tagen gute Laune bekommt? Gar nicht. Es sei denn, man sieht und hört nicht, was in der Welt passiert. Wenn es unerträglich wird, wenn alles zu laut, zu düster, zu schnell und zu hoffnungslos erscheint, dann gibt es zwei Dinge, die mir ein wenig Trost geben.

Das Erste ist ein Spaziergang über den St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Ich bin in der Straße aufgewachsen, gleich um die Ecke. Ich kenne fast jeden Baum dort. Rio Reiser liegt da. Die Brüder Grimm. Max Bruch. Ich glaube, dass ich auch einmal dort begraben werden will.

Nach dem Spaziergang setze ich mich ins Café am Eingang des Friedhofs. Ich bestelle Kaffee, esse ein Stück hausgemachten Kuchen. Ich schaue nicht aufs Handy. Ich lese kein Buch. Ich sitze einfach da und beobachte die wenigen Menschen, die vorbeikommen. Mehr nicht.

Warum mir das hilft? Weil ich bei den Toten dem Leben näher bin. Weil ich daran erinnert werde, dass alles ein Ende hat – wirklich alles. Und dass das nicht nur traurig ist, sondern auch tröstlich.

Manchmal summe ich «König von Deutschland» und denke daran, dass Rio Reiser so jung gestorben ist. Und dass auch ich vielleicht jung sterben kann. Dann überkommt mich ein Gefühl der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 91
von

Weitere Beiträge
Ur- und Erstaufführungen 2025

Uraufführungen

A Nora Abdel-Maksoud
Wokey Wokey (Münchner Kammerspiele) 
Duygu Ağal
Paradies-Acker (Düsseldorfer Schauspielhaus)
 Sina Ahlers
Schamparadies (Staatstheater Kassel) 
Sina Ahlers, Zara Ali und Katharina März
Kritter (AT) (Theater Bielefeld)
 Emre Akal
Es sagt, es liebt uns (Nationaltheater Mannheim)
 Ayla Pierot Arendt
nach Susan Sontag: Das Leiden...

Kopflos in die Nacht

Wie sähe eine Welt aus, in der wir den multiplen Krisen durch allabendlichen kollektiven Rausch zu entkommen versuchen? Eine Welt, in der Alkohol, Drogen, Stroboskoplicht und Techno-Beats uns für ein paar Stunden vergessen lassen, was draußen lauert, wenn der Kater einsetzt. Diese Versuchsanordnung verhandelt Ferdinand Schmalz in seinem neuen Stück «bumm tschak...

Spiegel der Wünsche

Ich fühle», sagt MR01 in Emre Akals neuem Text. «Ich fühle Sehnsucht. Ich fühle Liebe. Ich fühle Schmerz.» Eine Stimme, sanft, empathisch, ein Versprechen von Nähe. Doch was fühlt da wirklich? Wer spricht hier? MR01 ist kein einzelner Körper, keine fest umrissene Figur, sondern eine künstliche Intelligenz. Ein System, das sich materialisiert: als Mutter, als...