Zurück zum Ganzen
Wie man in diesen Tagen gute Laune bekommt? Gar nicht. Es sei denn, man sieht und hört nicht, was in der Welt passiert. Wenn es unerträglich wird, wenn alles zu laut, zu düster, zu schnell und zu hoffnungslos erscheint, dann gibt es zwei Dinge, die mir ein wenig Trost geben.
Das Erste ist ein Spaziergang über den St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Ich bin in der Straße aufgewachsen, gleich um die Ecke. Ich kenne fast jeden Baum dort. Rio Reiser liegt da. Die Brüder Grimm. Max Bruch. Ich glaube, dass ich auch einmal dort begraben werden will.
Nach dem Spaziergang setze ich mich ins Café am Eingang des Friedhofs. Ich bestelle Kaffee, esse ein Stück hausgemachten Kuchen. Ich schaue nicht aufs Handy. Ich lese kein Buch. Ich sitze einfach da und beobachte die wenigen Menschen, die vorbeikommen. Mehr nicht.
Warum mir das hilft? Weil ich bei den Toten dem Leben näher bin. Weil ich daran erinnert werde, dass alles ein Ende hat – wirklich alles. Und dass das nicht nur traurig ist, sondern auch tröstlich.
Manchmal summe ich «König von Deutschland» und denke daran, dass Rio Reiser so jung gestorben ist. Und dass auch ich vielleicht jung sterben kann. Dann überkommt mich ein Gefühl der ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 91
von
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