Filmriss
Im Mittelteil von Anne Leppers «Flitterwochen im Fertighaus» wird eine Bilanz der machtkritischen Theorieproduktion gezogen. «Alle sollten unbegrenzten Zugang zu kulturellen Gütern haben zur Kunst zur Literatur zur Philosophie zur Theorie», meint der gebildete, liberale Chor zu seiner Dienerin/Haushaltshilfe, um dann einen Parforceritt durch die avancierte gegenhegemoniale, antifaschistische, klassenkämpferische Theorie anzuheben. Mit Dank an u.a. Michel Foucault, Karl Marx, Friedrich Engels, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Gayatri Chakravorty Spivak, Etienne Balibar, Immanuel Wallerstein und Heiner Müller. Nur, was hilft das der Dienerin?
Chor Sie
Dienerin meinen Sie ich könnte auch studieren die qualvollen Erinnerungen an den Schmutz das Elend die Niedrigkeit alles dessen was mir nahe ist nimmt mir die Kraft zur Auflehnung gegen das scheinbar Unabänderliche ich habe mich ja der eigenen Liquidation preisgegeben
Chor man muss nicht jede Mode mitmachen
Dienerin Ach ja Sie sind die Erste die mir Höheres zutraut ich habe ja nichtmal Abitur Abendschule traue ich mir nicht zu
Chor&nbs
p;Sie ich wir müssen aufhören zu denken dass wir allein auf Grund bestimmter sozialer und ökonomischer Bedingungen im Proletariat zu Hause sind oder allein auf Grund bestimmter sozialer und ökonomischer Bedingungen im Bürgertum zu Hause sind wir müssen unseren Standort noch einmal durch genaue Unterscheidung selber wählen selber definieren zugehörig zur Arbeiterklasse sind diejenigen die mit ihren Handlungen für sie eintreten zugehörig zu den Subalternen if you are poor black jewish and female you get it in four ways sind diejenigen die mit ihren Handlungen für sie eintreten what must we do to watch out for the continuing construction of the subaltern gleichgültig woher jemand kommt lerne das ABC suche die Schule auf verschaffe dir Wissen ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 103
von Anne Lepper
Menschen wie im freien Fall. So wenig Halt bot ihnen die Bühne von Aleksandar Denic selten: Offene Weite gähnt im Berliner Ensemble, eine einsame rote Fahne säumt sie hinten an der Brandmauer. Die Unterbühne schaut etwas ausstaffierter aus: Eine Waschmaschine steht dort, eine Duschkabine. Auch ein paar Dutzend Panzerräder liegen herum, echte, stählerne, von der...
Es regnet. Eine Tochter kommt nach Hause. Das heißt, vielmehr kehrt sie zurück in das Haus ihrer Kindheit. Das Haus, das Karens Vater mit eigenen Händen aufgebaut hat. Das Haus, das sich wie eh und je inmitten eines dichten Waldes hoch über dem Tal gegen den Hang stemmt und in dem er noch immer wohnt. Es regnet bereits seit Tagen, und durch jeden Riss und jede...
Die Bühne ist ein großes Schweigen» in Paula Kläys Stück «Gewölk». Es kann erst beginnen, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist: «Tauben fliegen drei Mal um das Theater und dann weg.» Sind diese Tauben nur Tauben? Oder könnten es nicht doch auch Mavies Eltern sein, die, immer schweigend, zuletzt nickend, den Kopf vor- und zurückschiebend, auf einer Parkbank...
