Erniedrigung genießen
Frank Castorf inszeniert mit Jens Harzer in der Hauptrolle am Berliner Ensemble, dieser «bürgerlichen Bude mit ihren Plüschsesseln, den Nippes, den seidenen Lampenschirmen, eingerichtet von Helene Weigel»? Noch vor 15 Jahren hätte man locker gewettet, dass dieses Szenario niemals eintritt. Doch nun ist eins zum anderen gekommen: Seit 2018 hat der 75-Jährige am Schiffbauerdamm nicht nur vier Inszenierungen herausgebracht, zuletzt zwei Romanadaptionen aus den frühen 1930er Jahren, seit letzter Spielzeit gehören auch die Eheleute Marina Galic und Jens Harzer mit zum Ensemble.
Und vielleicht ist es ja ein Zeichen der Altersmilde, dass Castorf sich mittlerweile mit fast schon psychologischer Neugier für Fi -guren interessiert, vor allem, wenn Gut und Böse sich in ihnen untrennbar verzahnen. So etwa im Protagonisten eines weiteren Romans aus den Dreißigern, «Mephisto» (1936), in dem Klaus Mann (1906–1949) seinem Ex-Schwager Gustaf Gründgens (1899–1963) ein Denkzettel-Denkmal als Hendrik Höfgen setzt, wie sein historisches Vorbild Schauspieler, Regisseur, Intendant mit heimlichen sexuellen Vorlieben, zudem «Berlins unverwüst -licher Liebling vor, während und nach der Nazizeit». In seiner ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Eva Behrendt
Der Wald aus Penissen lädt zum Verweilen ein. Anschmiegen, anlehnen und ausruhen kann man sich an den rosa marmorierten Säulen mit gewölbtem Dach, wie monströse Riesenpilze ragen sie aus dem Boden. Geborgenheit finden in Phallus und Patriarchat, das geht eben doch irgendwie. In regelmäßigen Abständen erwacht die Wissenschaftlerin (Elke Luyten) in der Mitte und...
Wenn ältere Männer, die im Leben ziemlich weit gekommen sind, sich plötzlich die Frage stellen, ob das jetzt eigentlich schon alles war, dann suchen sie sich manchmal eine junge Freundin. Oder sie machen den Motorradführerschein. Oder sie holen noch einmal ihre alte Gitarre vom Speicher und üben die Akkorde von «Smoke on the Water».
Das mit der jungen Freundin...
Über die jetzige Kolumne hatte ich zuerst im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt nachgedacht – als Ansatz: Vielleicht hilft das ganze apokalyptische Sprechen und Denken am Ende ja der AfD. Die Wahl ist nun einige Wochen her, und ich komme mir naiv vor mit diesem Gedanken, denn viel einschneidender hätte die Wahl kaum ausgehen können.
Was meine ich mit...
