Im Regal sind alle gleich
Der Wärmetod, dem nicht nur laut Lukas Bärfuss unser Universum unvermeidlich entgegensteuert, erscheint an diesem Zürcher Sommertag geradezu greifbar. Das Thermometer zeigt satte 38°C an, kein Lüftchen weht, und selbst im schattigen Hof des Schweizer Landesmuseums steht den Servicekräften, die gemächlich eine Armada von Champagnergläsern nachpolieren, der Schweiß auf der Stirn. Dabei meint Wärmetod gar nicht den schieren Hitzschlag, sondern maximale Entropie: das Ende aller Form und Bewegung.
Der Schriftsteller und Dramatiker Bärfuss hingegen wirkt gänzlich unverschwitzt, wenn er von Thomas Pynchons früher Erzählung «Entropy» schwärmt, die für ihn eine große Rolle gespielt habe. Darin belegen schwer berauschte Partygäste und ein durchgeknallter Hobbygärtner in einem New Yorker Mietshaus den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik: Jeder Versuch, Ordnung zu schaffen, vergrößert das Chaos. Paradoxa wie diese, literarisch durchgeführt, begeistern Lukas Bärfuss, der als frisch gebackener Vater den Beweis dieses Satzes gerade täglich erfährt.
Bärfuss’ Leidenschaft fürs Widersprüchliche ist aber nicht nur bei Lektüreerfahrungsberichten ergiebig. Sie hat auch dazu beigetragen, dass der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Wir wollen heute Nachmittag über die Ost-West-Unterscheidung reden, eine Unterscheidung, von der Sie, Armin Petras, meinen, dass sie obsolet sei. So haben Sie das jedenfalls mal in einem Interview gesagt. Diese Unterscheidung sei 15 Jahre nach der Wende erledigt. Sehen Sie das wirklich so?
Armin Petras Ja, ich denke schon.
TH Wer ist sonst noch...
Mitten in der Nacht wacht ein Mann aus tiefem Schlaf auf. In seiner Küche findet er eine ihm unbekannte Frau vor, die behauptet, mit ihm verheiratet zu sein. Weder durch höfliche Worte noch durch die Androhung von Gewalt kann er sie dazu bringen, seine Wohnung zu verlassen. Erst als ihm Beweise vorgelegt werden, dass der Irrtum auf seiner Seite liegen muss, kommt...
Wenn Kunstbanausen, Finanzpolitiker und Wirtschaftszeitungen über das Theater sprechen, dann hört sich das häufig so an, als beginne hinter dem Kartenabreißer eine kapitalismusfreie Zone. Aufzuzählen, wie viele Euro Steuergelder unter jedem Theatersessel kleben, gilt dann als Spitzen-Bonmot, um mit der Behauptung vermeintlicher Verschwendung den Populismus zu...
