Im Rassismus-Korsett

Shakespeare «Othello» im E-Werk Weimar

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«Addicted to you», schallt es verheißungsvoll über die Bühne. Hinter Wänden aus dünnen weißen Fäden, aus denen Philip Rubner und Alexander Grüner drehbare Räume gebaut haben, geben sich die beiden Protagonisten Othello (Calvin-Noel Auer) und Desdemona (Nadja Robiné) in einem Kingsize-Bett auf Rollen dem Liebesspiel hin. Desdemona erhält ihr Tuch als Liebespfand, und die Welt könnte perfekt sein.

Ist sie aber nicht, denn da ist ja noch Jago.

Marcus Horn wendet sich direkt ans Publikum, ein ehrgeiziger, sich übergangen fühlender Mensch, für den auch die Liebe nur eine rein technischhormonelle Reaktion ist und der zusammen mit Rodrigo (Janus Torp) mit seinen rassistischen Ressentiments nicht hinterm Berg hält. Selbst das N-Wort, anfangs noch mühsam zurückgehalten, fällt später in diesen Tiraden regelmäßig. Ähnlich simpel und rückständig ist sein Frauenbild. Horn spielt das gekonnt, triefend vor Doppelzüngigkeit. Dieser Jago ist hier die einzige agierende und nicht nur reagierende Figur, die allerdings von der Ereignislawine gleichermaßen überrollt wird. Besonders gegen Ende, wenn er seltsam unmotiviert seinen Gönner Rodrigo zur Strecke bringt und selbst mit leeren Händen dasteht. 

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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs

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