Ira hinter den Pixeln
Im Smarthome spukt es. Denn die Gewohnheiten der ehemaligen Bewohnerin haben sich längst eingeschrieben in seinen Algorithmus und überdauern so sogar ihren physischen Tod. «Das Haus spielt Theater für Sie», erklärt Ira der Hinterbliebenen. Denn es zündet in Erinnerung an die Verstorbene jeden Tag eine Zigarette an – wie es ihre Gewohnheit war.
Ira ist Expertin für verhexte Technologie, sie geht dem Flüstern nach in den Glasfaserkabeln.
Wie eine Detektivin spürt sie die Fehler in einem System auf, in dem menschliche Existenz und künstliche Intelligenz Hand in Hand gehen und die Folgen nicht immer absehbar sind. Besonders erfolgreich ist Ira trotzdem nicht, weil sie sich weigert, Implantate zu tragen. Die Mehrzahl der Menschheit hat solche bereits und ist dank ihnen in der Lage, ihre Wahrnehmung der Welt mit einer virtuellen Realität – sogenannten Overlays – zu überblenden und sich so immer und überall in ihren ganz eigenen Pixeltraum zu versetzen.
Der Autor und Regisseur Wilke Weermann hat im Auftrag des Schauspiel Frankfurt diese Ira und ihre Zeitgenoss:innen erfunden, die nun über die Bühne der Kammerspiele zuckeln. Denn die Spieler:innen bewegen sich wie Avatare durch diesen ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt
Im Wettbewerb darum, wer das kleinste Stadttheater Deutschlands ist, kann das Theater Lahnstein mithalten (nur Naumburg an der Saale dürfte kleiner sein): sieben Schauspieler:innen, 70 Plätze, ein Etat von ca 700.000 Euro. Und dann gibt es noch das jährliche Freilichttheater im Sommer. Die Idylle trügt. In der Kleinstadt an der Lahn (18.000 Einwohner) tobt der...
So eine Erscheinung kommt dem Pfarrer nicht alle Tage unter. «Ich möchte mich als Heilige Maria bewerben», verkündet die Frau dem stillen Herrn am äußersten Bühnenrand. Pointierte Karriereplanung, keine Frage. Allerdings handelt es sich um eine Bewerbung von flatterhafter Qualität. Die Enddreißigerin stöckelt denkbar unkeusch herbei, ihr Heiligenschein leuchtet...
Was macht die Liebe in der Theaterkritik? Den großen Unterschied, so hat es Nikolaus Merck in seinem letzten Text für nachtkritik.de beschrieben, in dem er sich auf einen Essay von Andreas Wilink bezog. Sie sei die Abgrenzung zur Beckmesserei, zudem «der Antrieb für die Einsamkeitsakrobatik des Schreibens». Am Ende also gar «das Geheimnis der Kritik».
Niko war ein...
