Schmiere de luxe
Der Schottenrock wird weithin unterschätzt. Man hat ihn als sympathische Schrulle lieb gewonnen, nimmt ihn als Kleidungsstück aber nicht weiter ernst. Damit ist jetzt Schluss: Die Protagonisten der Oscar-Wilde-Inszenierung «Ernst ist das Leben» im Akademietheater demonstrieren eindrucksvoll, wie kleidsam und sexy das verkannte Teil sein kann – und wie gut der Kilt mit Sakkos aus Schlangenleder oder Hermelinfell, mit Cowboyhut und sogar Westernstiefeln harmoniert.
Martin Kraemers Kostüme sind der heimliche Star einer Inszenierung, in der an Stars ohnedies kein Mangel herrscht.
Auf der Besetzungsliste stehen fast nur erste Kräfte des Hauses, und für die Stückfassung zeichnet keine Geringere als Elfriede Jelinek verantwortlich. Die Nobelpreisträgerin, die schon Farcen von Feydeau und Labiche übersetzte, hat sich nun (gemeinsam mit der Übersetzerin Karin Rausch) erstmals Oscar Wilde vorgenommen. Das liegt näher, als es scheinen mag: Auch bei Wilde liegt der ganze Witz in der Sprache. In seinem wohl besten Stück «The Importance of Being Earnest» (1894) tut der ziemlich abstruse Plot um die Eskapaden zweier Dandys nichts weiter zur Sache; die Dialoge aber sind zum Teil so aberwitzig ...
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Was aus dem einen, sehr sehr langen Theaterstück, das René Pollesch in kleinen Fetzen an verschiedenen Orten seit Jahren zur Aufführung bringt, konsequent hervorscheint, ist die Sehnsucht des Autors nach der alten politisch-ideologischen Entweder-oder-Weltsicht, die mit fetzigen Ist-Sätzen Klarheit schafft, sowie der ewige Kampf dieser Sehnsucht mit dem Alltag des...
Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
Dora hatte auch so eine Mama. Dora, die unberechenbare, zurückgebliebene Hauptfigur in Lukas Bärfuss’ vorletztem Stück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Doras Mama war überbesorgt, dominierend und sehr zufrieden mit sich und der Art, wie sie damit umging, eine behinderte Tochter zu haben. Alices Mutter in dem neuen Stück «Alices Reise in die Schweiz» ist...
