Im Kino: Der lange Moment
Ein «Pfingstwunder», jubelte das deutsche Feuilleton, als Maren Ades Film «Toni Erdmann», der erste deutsche Wettbewerbsfilm in Cannes seit acht (!) Jahren, die internationale Kritikerschar zu Standing Ovations hinriss. Keiner hatte damit gerechnet, dass eine fast dreistündige (!) deutsche (!) Komödie (!) 14 Tage lang als Favorit auf die Goldene Palme im Gespräch sein könnte.
Ein Film, bis in die winzigsten Rollen besetzt mit Schauspielern, wohlbekannt im deutschen Theater und nirgends sonst: Niels Bormann spielt einen Postboten, Ruth Reinecke eine Ex-Frau, Michael Wittenborn einen Unternehmenschef mit höflichst platzierten Demütigungsstrategien; auch Hans Löw und Julischka Eichel sind ca. 30 Sekunden im Bild. Ein Zusatzspaß für Theaterfans. Aber auch die werden sehr schnell nur noch sehr hingerissen auf das skurrile Paar starren, das in Kombination mit einem brillanten Drehbuch «Toni Erdmann» zum Standing-Ovations-Ereignis macht: der Wiener-Burgtheater-Hero Peter Simonischek als Musiklehrer Winfried und sein Alter Ego Toni Erdmann und die zweimalige Schauspielerin des Jahres (2010 und 2013) Sandra Hüller als seine verlorene Tochter Ines.
Scherzen gegen die Tristesse
Wilfried ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Barbara Burckhardt
Wenn große Männer fallen, dampft das Theater. Dramatische Staatsaktionen, menschliche Abgründe, alpine Steig- und Fallhöhen, große Worte, letzte Blicke – tragische Schicksalsstürze sind die Hochgebirgspanoramen der dramatischen Zunft. Zwar schreiben die zeitgenössischen Autoren beharrlich keine neuen Königsdramen – wäre auch schwierig im postdemokratischen...
An Dramatik mangelt es der Rostocker Kulturpolitik nicht. Jüngste Volte: Intendant Sewan Latchinian wurde vom Aufsichtsrat fristlos entlassen, angeblich weil er Interna weitergegeben und dem Ansehen des Theaters geschadet habe. Tatsächlich wollte Latchinian schon seit zwei Jahren nicht mitspielen bei den diversen widersprüchlichen und panischen Aktionen, mit denen...
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