Im Gestaltwandel
Das aktuelle Plakatmotiv von Radikal jung, ein Schnappschuss der belgischen Fotografin Frieke Janssens, zeigt eine Turnerin, die sich kopfüber und einhändig auf einem Reck balancierend mit dem Finger der anderen Hand die Brille auf der Nase hält, während sie entschlossen etwas zu fixieren scheint. So ähnlich mögen sich die Macher:innen des Festivals Radikal jung in den letzten Jahren auch immer mal gefühlt haben, in ständiger Rotation und im Kampf mit den Schwerkräften der Coronakrise, dabei das Ziel fest vor Augen, dass es doch irgendwann wieder stattfinden muss.
Drei Tage nach der Pressekonferenz Anfang März 2020, bei der Intendant Christian Stückl noch über eine Erkältung scherzte – «ein kleiner Schnupfen, aber nicht Corona» – war der erste Lockdown verhängt worden, am 19. März folgte die Verschiebung der Oberammergauer Passionsspiele auf 2022 und kurz darauf die Absage von Radikal jung. Ein Jahr später im April 2021 dann erneut das Aus für ein fast fertig geplantes Programm. Doch nun gab es beim dritten Anlauf endlich wieder grünes Licht und mit 75 Prozent Auslastung auch ein in diesen Zeiten durchaus passables Zuschauer-Comeback.
Dazu ist Radikal jung, um es vorweg zu sagen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2022
Rubrik: Festivals, Seite 20
von Silvia Stammen
Personen
Pilger 1
Zeitreisende, 36 Jahre, Binnenflüchtling aus dem Gebiet Luhansk
Pilger 2
Erfinder der Zeitmaschine, 60 Jahre, Binnenflüchtling aus dem Gebiet Luhansk
Szene 0
Pilger 1
erste Regel für Zeitreisende
sich nicht einmischen
zweite Regel für Zeitreisende
was passiert ist ist passiert
dritte Regel für Zeitreisende
kein Paradox schaffen
die...
«Der unsichtbare Reaktor», ein Projekt über die Nuklearkatastrophe von Fukushima, beginnt mit einer auktorialen Schreibkrise. 2012, im Jahr nach dem GAU, ist der Dramatiker Nis-Momme Stockmann auf Einladung des Goethe-Instituts nach Japan gereist; 2016 besuchte er Fukushima erneut. Jedesmal führte er vor Ort Interviews, notierte Unmengen an Eindrücken und...
Melancholisch schön drängt und krächzt die Geigenmusik (Vivan Bhatti) zur Betroffenheit, verwirrend reflektieren sich die vielen Bildschirme und Fenster auf der Bühne von Anne Ehrlich. Ganz in der Mitte steht ein durch Wände zum Großteil verdecktes Wohnzimmer, immer wieder erhascht man Blicke auf Ikea-Betten, ein Viergewinnt-Spiel, Notenständer, rosa Vorhänge, nach...
