Im Bann von Lumbung
Nicht um Kunst soll es vordringlich gehen bei dieser documenta. Und schon gar nicht um rassistische Zuschreibung, wie es der «documenta-Skandal» suggeriert. Das erklärte Hauptziel dieser documenta ist es, Denkanstöße zu liefern. Neue ethische Übereinkünfte für ein besseres Zusammenleben wollen die Kuratorinnen und Kuratoren des indonesischen Kollektivs Ruangrupa lancieren. Sie formulierten im Vorfeld einen Kanon guter Eigenschaften als Gegenentwurf zum kapitalistischen Leistungsund Konkurrenzprinzip, die sogenannten «Lumbung-Werte».
Lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinsam genutzte Reisscheune, also das, was in Europa seit dem Mittelalter «Allmende» heißt, und steht für gemeinwirtschaftliches Arbeiten, wo Teilen und Gruppenwohl wichtiger sind als Besitz und Status.
Die Werte, die in dieser Vorstellung die christlichen Todsünden Gier, Neid, Wollust und Völlerei als Leitmotive des Kapitalismus ablösen sollen, lauten: lokale Verankerung, Großzügigkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Genügsamkeit und Humor. Und für den persönlichen Umgang formulierte Ruangrupa eine Moral, die auf Vertrauen, Intuition und Kollektivität beruht sowie auf der «Akzeptanz der Tatsache, dass man ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Bildende Kunst, Seite 41
von Till Briegleb
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Ich wurde oft gefragt...
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