Haut und Knochen
Schiller ist ja berühmt für seine genialen Schlusssätze. «Der Lord lässt sich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Frankreich.» Peng. Schluss, aus, Vorhang. Da steht die Queen Elizabeth ganz schön blöd da, ihre Feindin, die Stuart, ist zwar endlich tot, aber ihr (virtueller) Liebhaber, Lord Leicester, verschifft sich ausgerechnet zum katholischen Erzfeind nach Frankreich. Lässt sich auch noch – durch eine Hofschranze – hämisch entschuldigen.
In Stefan Bachmanns Düsseldorfer Inszenierung sagt Leicester den süffisanten Satz freilich selbst, indem er sich davonschleicht, das ist besetzungstechnisch effizient, aber auch ein bisschen weniger effektvoll.
Vieles an dieser Inszenierung hat vor allem den Anschein, als wolle der Regisseur uns den Spaß an den verdächtigen Trümpfen des Stücks verderben, an der funkelnden Rhetorik, an der hollywoodmäßigen Spannungsdramaturgie, an den Effekten. Alles wird heruntergedimmt, der Text abgespeckt bis auf Haut und Knochen – bloß kein Pathos! Aber Misstrauen gegen Schillers rhetorischen Prunk fördert keineswegs den mutmaßlichen Kern der Sache zutage, sondern gleicht dem gemächlichen Knacken einer hohlen Nuss.
Melanie Kretschmann ist als Maria Stuart bis ...
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