Brave old world
Theater heute Signa Soerensen und Arthur Koestler, Sie sind beim diesjährigen Theatertreffen sicher mit dem ungewöhnlichsten Projekt vertreten. «Die Erscheinungen der Martha Rubin» sind eine Performance-Installation, in der Sie, ursprünglich für die Kölner Halle Kalk, eine eigene Welt erschaffen haben: Rubytown, ein Dorf im Niemandsland, bevölkert von dreißig Dorfbewohnern und bewacht von Soldaten. Die Performance in Berlin in einer alten Lokhalle wird 192 Stunden dauern, in der die Schauspieler, ganz überwiegend Laien, die Zuschauer in ihre Welt ziehen.
Als teilnehmender Beobachter können sie mit den Rubytownern reden, an ihrem Leben partizipieren: eine alptraumhafte Hyperrealität, Einfühlungstheater ohne vierte Wand, ein Second Life live. Wie haben Sie diese Theaterform entwickelt?
Signa Soerensen Ich habe in Kopenhagen Kunstgeschichte, Film und Medienwissenschaften studiert und für meinen Bachelor eine Installation in Form einer Ausstellung gemacht: «Der Mythos der gefallenen Frau». Um dieses Projekt finanzieren zu können, habe ich in Nachtclubs gearbeitet, als Champagnergirl und Stripperin. Ich befand mich also selbst in dieser ambivalenten Situation zwischen Faszination und ...
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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 30
von Barbara Burckhardt, Eva Behrendt
Der raumhohe Kupferkasten, den Johannes Schütz an die Bühnenrampe des Düsseldorfer Schauspielhauses gerückt hat, ist kein Ort für die Liebe als barocke Sinnenlust. Herzog Orsino (Guntram Brattia) krempelt sich die Ärmel hoch, macht sich an die Schwarzarbeit und streicht die spiegelblanken Flächen. Während eine Blackbox entsteht, dunkelt auch der Zuschauersaal...
Vier Schauspieler auf dem Besetzungszettel für mindestens fünf verschiedene Versionen eines gewissen «Abulkasem» deuten schon an, dass in Jonas Hassen Khemiris erstem Stück nicht einfach einer nur ein anderer sein kann. Tatsächlich ist jeder mindestens vier oder fünf andere, was im Theater nichts weiter Besonderes ist. Dass der schlaksige Dreißigjährige, der gerade...
Wie darf man das verstehen? Soll man um der höheren Sache, sagen wir einer Revolution willen, Menschen umbringen? Bevor man sich kurz ans Hirn greift, wie man die Frage überhaupt stellen kann: Brecht hat sie in seiner «Maßnahme» mindestens diskutiert, wenn nicht bejaht; Heiner Müller hat sie in «Mauser» mindestens variiert, wenn nicht akzeptiert – und das...
