Brave old world
Theater heute Signa Soerensen und Arthur Koestler, Sie sind beim diesjährigen Theatertreffen sicher mit dem ungewöhnlichsten Projekt vertreten. «Die Erscheinungen der Martha Rubin» sind eine Performance-Installation, in der Sie, ursprünglich für die Kölner Halle Kalk, eine eigene Welt erschaffen haben: Rubytown, ein Dorf im Niemandsland, bevölkert von dreißig Dorfbewohnern und bewacht von Soldaten. Die Performance in Berlin in einer alten Lokhalle wird 192 Stunden dauern, in der die Schauspieler, ganz überwiegend Laien, die Zuschauer in ihre Welt ziehen.
Als teilnehmender Beobachter können sie mit den Rubytownern reden, an ihrem Leben partizipieren: eine alptraumhafte Hyperrealität, Einfühlungstheater ohne vierte Wand, ein Second Life live. Wie haben Sie diese Theaterform entwickelt?
Signa Soerensen Ich habe in Kopenhagen Kunstgeschichte, Film und Medienwissenschaften studiert und für meinen Bachelor eine Installation in Form einer Ausstellung gemacht: «Der Mythos der gefallenen Frau». Um dieses Projekt finanzieren zu können, habe ich in Nachtclubs gearbeitet, als Champagnergirl und Stripperin. Ich befand mich also selbst in dieser ambivalenten Situation zwischen Faszination und ...
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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 30
von Barbara Burckhardt, Eva Behrendt
Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein...
David Hohl ist einer von den Guten – jedenfalls hat er das immer geglaubt. Einer von den besonders Guten sogar, die ihr Leben aus Überzeugung in den Dienst einer gerechten Sache stellen, geht er doch 1990, gerade mal Mitte 20, als Angestellter der Schweizer Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe DEH nach Ruanda. Ein bisschen Abenteuerlust mag...
Wie darf man das verstehen? Soll man um der höheren Sache, sagen wir einer Revolution willen, Menschen umbringen? Bevor man sich kurz ans Hirn greift, wie man die Frage überhaupt stellen kann: Brecht hat sie in seiner «Maßnahme» mindestens diskutiert, wenn nicht bejaht; Heiner Müller hat sie in «Mauser» mindestens variiert, wenn nicht akzeptiert – und das...
